Ein 1:1 stand am Ende auf der Anzeigetafel, aber der Normannia-Kapitän klang wie ein Sieger. „Männer, das feiern wir heute Abend“, rief Stephan Fichter ins Rund der versammelten FCN-Fußballer nach dem Abpfiff.
Dass sich das 1:1 gegen Tabellenführer FSV Hollenbach wie ein Sieg anfühlte, dafür hatten zwei Szenen gleich in der Anfangsphase gesorgt. 3. Minute: Nach einem Ballverlust der Normannia foult Innenverteidiger Nermin Ibrahimovic als letzter Mann: Rote Karte. 8. Minute: Hollenbach-Stürmer Fabian Czaker geht bis zur Grundlinie, steckt den Ball nach innen durch, wo ihn Serkan Uygun nicht richtig trifft – doch ein Gmünder Abwehrbein fälscht ab und der Ball trudelt ins Netz.

Oje! Das war, kürzestmöglich formuliert, nun die Stimmung im Normannia-Stadion. Das Spiel ist gelaufen, dachten die Allermeisten. Auch Trainer Holger Traub erwartete nicht mehr viel Positives von der Partie: „Ich habe mich auf stürmische Zeiten eingestellt.“

Doch dann kam alles ganz anders. Die Normannen stellten auf 4-4-1 um, und sie schafften es an dem festzuhalten, was man modern Matchplan nennt: sich nicht verstecken, dem Tabellenführer mit spielerischen Mitteln begegnen. „Stressfrei geblieben“ sei seine Mannschaft, fand Holger Traub hinterher. Und es war ein klassischer Ein-Mann-weniger-Effekt zu sehen: „Klingt wie eine Floskel, stimmt aber: Die Gmünder haben alle zehn Prozent draufgelegt, und wir vielleicht fünf Prozent weniger gemacht“, rechnete Hollenbachs Kapitän Sebastian Walz nach dem Spiel vor. Während die Normannia-Elf in den Jetzt-erst-recht-Modus schaltete, schien Hollenbach die Führung kräfteschonend verwalten zu wollen. „Tempo, Tempo“, rief FSV-Trainer Marcus Wenninger zweimal aufs Feld – ohne Erfolg. Nur in der 33. Minute brauchte der FCN eine Portion Glück, dass Czaker mit einer schönen Direktabnahme am Tor vorbeischoss statt das 2:0 zu machen. Mehr Chancen hatten die Gmünder, durch Dominik Pfeifer, Felix Bauer und Bobo Mayer. Und Pfeifer traf in der 41. Minute mit einem platzierten Schuss aus elf Metern zum verdienten 1:1.


Ellermann als Anspielstation
Auch nach der Pause änderte sich wenig. Die Normannen ließen weiterhin den Ball laufen und profitierten in Unterzahl noch mehr als sonst von der großen Ballsicherheit ihres Keepers Yannick Ellermann, der mit Ruhe und Präzision immer wieder als Anspielstation wertvoll war. Und Gmünd musste wieder eine Schrecksekunde überstehen, als Ellermann stark im Eins-gegen-eins gegen Czaker klärte (47.). Doch die Normannia war mindestens so nah dran am Führungstreffer wie Hollenbach, die beste Chance war ein Kopfball von Daniel Stölzel nach einem Mayer-Freistoß (78.). „Wir haben auch in der zweiten Halbzeit immer auf unsere Chance gelauert“, so FCN-Kapitän Stephan Fichter.

Schlussoffensive bleibt aus
Und gegen Ende? Müde werdende Normannen, Schlussoffensive der Gäste? Auch diese Erwartung ging an diesem Tag fehl. FSV-Coach Wenninger wollte in dieser Partie keinen Sieg erzwingen: „Ich habe in der Schlussphase meine Abwehrspieler angewiesen nicht Harakiri zu spielen.“ Da schwang Realismus und Bescheidenheit mit – er sei zufrieden mit dem Punkt, so Wenninger – aber auch Respekt vor dem spielerischen Potenzial der Normannia. Denn im ganzen Stadion war aus dem Oje-Schreck im Laufe des Spiels freudiges Erstaunen erwachsen angesichts der Leistung der Normannia: Oha statt Oje.

FCN: Ellermann – Fichter, Ibrahimovic, Stölzel, Glück – Kianpour, Gnaase – Pfeifer (93. Nuding), Mayer, Kolb (88. Werba) – Bauer (91. Funk).
FSV: Hörner – Zeller, Nierichlo, Kleinschrodt, Schmitt, Uygun (92. Schreiber), Hofmann, Walz, Hutter (72. Schülke), Czaker (72. Minder), Breitinger.
Tore: 0:1 Uygun (8.), 1:1 Pfeifer (41.).
Zuschauer: 250
Bes. Vorkommnis: Rote Karte Ibrahimovic (3.).

© Gmünder Tagespost 05.11.2017