Holger Traub ist eigentlich zufrieden mit der Mannschaft, die er nun seit dreieinhalb Wochen trainiert: „Das ist eine junge Truppe, die mit Feuereifer dabei ist. Die Trainingseinheiten waren bislang überragend“, sagt der neue Normannia-Trainer.Das „bislang“ gewinnt Signalwortcharakter, wenn Holger Traub dann über die kommenden Wochen redet. Denn zur Halbzeit der Vorbereitung steht dem Trainer ein Tiefpunkt der personellen Art bevor. Fast ein Drittel des Kaders, insgesamt sechs Spieler, wird in wenigen Tagen erst mal nicht mehr da sein – sondern im Urlaub.


Sind alle gleich ehrgeizig?

Die Urlaubswelle wird Folgen haben, davon ist Traub überzeugt: „Das betrifft ein Drittel der gesamten Vorbereitung. Und das bedeutet, dass für uns die Saison erst am zweiten oder dritten Spieltag beginnt.“ Anderes zu glauben, das sei illusorisch. „Wir können nicht zaubern“, sagt Traub.

Den Konflikt zwischen Freizeit-Verhalten und dem Hinarbeiten auf sportliche Ziele will Holger Traub nicht einfach so stehen lassen. Die Grundsatzfrage, die sich für den Trainer aus der Urlaubsphase ergeben hat, ist die: Haben alle in der Mannschaft den gleichen Ehrgeiz, die gleichen Ambitionen? Da sieht der Coach dringend Gesprächsbedarf: „Wenn alle wieder da sind, wird es einen Workshop geben, wo wir das miteinander klären.“

„Verrutsche Vorbereitung“

Holger Traub jedenfalls hat eine klare Meinung zur „verrutschten Vorbereitung“, wie er sich ausdrückt: Das ist nicht meine Erwartungshaltung an ein Verbandsliga-Team.“ Nun will er von jedem seiner Spieler dessen Sicht haben. „Da wird sich jeder erklären müssen.“ Dann müsse man schauen, ob die Erwartungshaltung bei allen übereinstimme – und dass man eine „gemeinsame Linie“ findet. „Wir können niemanden zwingen, aber letztlich ist ein Ziel nur erreichbar, wenn es einen gemeinsamen Weg gibt. Und das ist keine Floskel, sondern Fakt.“

„Am Erfolg gemessen“

Denn dass Selbstverständnis und Ehrgeiz der Spieler am Ende seine Position als Trainer betreffen, das spricht Traub im Klartext aus: „Letztlich geht es ja um meinen Kopf, weil man als Trainer am Erfolg gemessen wird.“

Noch eine andere Baustelle mit Gesprächsbedarf war für Traub zuletzt die Tatsache, „dass wir in zwei Testspielen zwei Unsportlichkeiten hatten“, Nermin Ibrahimovic gegen Waldstetten, Efendi Erol gegen die Freiberger U19. „Das war in 180 Minuten mehr als in einer ganzen Saison zu tolerieren ist – und das haben wir auch in aller Deutlichkeit besprochen.“

© Gmünder Tagespost 25.07.2017