(sch) Beim Tabellenvierten TSG Backnang agierte die Elf von Trainer Jochen Herbst in allen Belangen zu harmlos, unterlag verdient mit 0:1 (0:1) und hätte sich über ein deutlicheres Endresultat nicht beschweren dürfen. Der Rückstand ans rettende Ufer ist dadurch auf fünf Punkte angewachsen – nur zwei Siege aus den beiden verbleibenden Saisonspielen können den Gmündern jetzt noch weiterhelfen.

Die auf dem drittletzten Tabellenplatz positionierte Normannia-Mannschaft stand bereits im Vorfeld mächtig unter Druck und startete äußerst zaghaft in das Gastspiel beim Vorjahres-Meister der Verbandsstaffel Nord. Von Beginn sahen die knapp 55 Zuschauer eine zerfahrene Hitzeschlacht auf dem Kunstrasenplatz in den Etzwiesen, in der sich die beiden Kontrahenten zunächst weitestgehend neutralisierten. Gegen tief stehende Gmünder überzeugten die favorisierten Hausherren in der ersten Hälfte nur bedingt, besaßen aber bereits frühzeitig die höheren Spielanteile. Knapp 20 Spielminuten vergingen bis zur ersten nennenswerten Einschussgelegenheit, doch FCN-Schlussmann Philipp Röhrle bekam den Flachschuss von Simon Gronau sicher unter Kontrolle. In der darauffolgenden Situation mussten Robin Fischer und Alexander Iatan im eigenen Strafraum mit vereinten Kräften den durchgebrochenen Justin Eisenmann ausbremsen.

Nur fünf Zeigerumdrehungen darauf bekamen die Normannen den Backnanger Torjäger nicht mehr zu fassen und dieser blieb eiskalt: Nach dem feinen Zuspiel von Leon Maier konnte sich Eisenmann ohne große Gegenwehr durchsetzen und aus kurzer Distanz zu seinem 17.Saisontreffer einschießen. Auf der Gegenseite strahlte die Herbst-Elf zu keiner Zeit ernsthafte Torgefahr aus und agierte in jeder Hinsicht harmlos: Wenig Emotionen, geringe Zweikampfhärte, keine Offensivpower. Den eigenen Angreifern fehlte die Durchschlagskraft ebenso wie die zündenden Ideen. Die beste Gmünder Schusschance hatte Wesley Wicker, der sich aus knapp 25 Metern Entfernung ein Herz fasste, doch der Ball flog knapp oberhalb am Backnanger Gehäuse vorbei. Einen direkt geschossenen Freistoß von Mario Schmid sicherte sich TSG-Keeper Luca Föll ohne große Probleme. Die Backnanger verpassten es ihrerseits, trotz einer eher mäßigen Leistung nachzulegen: Leon Maier setzte einen Schuss aus der zweiten Reihe knapp über den Querbalken, ein Versuch von Loris Maier zischte knapp am langen Pfosten vorbei und der freigespielte Eisenmann brachte lediglich das Aluminium zum Erzittern. Die Normannen konnten sich aufgrund ihrer Passivität über den knappen Pausenrückstand keinesfalls beschweren, hatte man doch selbst nur allzu selten die Initiative ergriffen.

Hoffnung keimte kurzzeitg auf, als die Stauferstädter nach dem Seitenwechsel die ersten beiden brenzligen Situationen erzwingen konnten. Nach Vorarbeit von Wicker schnappte sich Föll das Spielgerät im letzten Moment vor dem heranstürmenden Jonas Nagel. Wenig später ließ der TSG-Tormann eine hohe Hereingabe von Vincens Toscano nicht festhalten, der Nachschuss von Jakob Biedermann wurde abgeblockt. Viel mehr bekam der FCN in der Vorwärtsbewegung allerdings nicht zustande, stattdessen übernahmen die Hausherren mit höherer Entschlossenheit das Kommando und erhöhten beständig den Druck. Die TSG hätte das Resultat durch ihr nun deutliches Chancenplus weiter in die Höhe schrauben können, zumal sich die Gäste einige Unkonzentriertheiten leisteten. Als Iatan in der eigenen Hälfte den Ball gegen Antonio Cardinale vertändelte, musste Röhrle in höchster Not gegen Loris Maier retten. In ihrer stärksten halben Stunde dieser Begegnung war die Etzwiesenelf ihrem zweiten Treffer deutlich näher als die Gmünder dem Ausgleich, so dass die vorzeitige Entscheidung nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien. Insbesondere die beiden Mittelfeldstrategen Leon und Loris Maier, welche in dieser Saison bereits 23 Einsätze bei den Aktiven in der Oberliga absolvierten, bekam die Normannia nicht in den Griff – der Torerfolg blieb jedoch auch den beiden Brüdern verwehrt. Loris Maier setzte zwei gefährliche Abschlüsse hauchdünn am Ziel vorbei und bediente zwei weitere Male den mitgelaufenen Eisenmann, doch Röhrle war stets auf dem Posten. Der FCN-Keeper und seine Vorderleute hatten zugleich Fortuna auf ihrer Seite, als ein scharf geschossener Freistoß von Leon Maier vom Innenpfosten abprallte und zurück ins Feld sprang. Nur kurz darauf landete ein weiterer ruhender Ball lediglich im Gmünder Außennetz.

Das Resultat hätte bereits deutlich ausfallen können, wenn nicht sogar müssen, hätten die mit der reiferen Spielanlage ausgestatteten Hausherren ihre Chancen im zweiten Durchgang effizienter genutzt. Während sich Backnang zunehmend auf die eigene Absicherung konzentrierte, kämpften sich die Normannen erst in den Schlussminuten noch einmal zurück ins Spielgeschehen – doch zu spät. Die harmlose Herbst-Elf ließ weiterhin die Durchschlagskraft vermissen und so wurden die Standards von Toscano sowie Schmid zur sicheren Beute von Föll, ein Kopfball des eingewechselten Mady Sissoko nach Flanke von Lucas Schwarzer verfehlte sein Ziel deutlich. Auch aus zwei gegnerischen Zeitstrafen und der daraus resultierenden zehnminütigen Überzahl konnten die Gmünder kein Kapital mehr schlagen – zu unsortiert und unkonzentriert wirkten die späten, teils verzweifelten Angriffsversuche. Da war es beinahe symbolisch, dass man zum Ende der Nachspielzeit noch einen Freistoß in aussichtsreicher Position zugesprochen bekam, Schmid die Kugel jedoch über den Fangzaun hinweg jagte. Es folgte der Abpfiff und die Köpfe der FCN-Youngster senkten sich zum Boden, wohlwissend dass diese zwökfte Saisonniederlage bereits eine Art Vorentscheidung im Abstiegskampf gewesen sein könnte. Zumal dieser enttäuschende und einmal mehr torlose Auswärtsauftritt nur wenig Hoffnung für das anstehende Saisonfinale macht.

Die tabellarische Situation hat sich derweil drastisch verschlechtert und die Chancen, dass die Gmünder den drohenden Abstieg in die Bezirksstaffel noch abwenden können, sind auf ein Minimum zusammengeschrumpft: Durch den 4:1-Erfolg des TSV Weilheim über die TSG Hofherrnweiler liegt die Normannia nun um fünf Punkten hinter den beiden am rettenden Ufer liegenden Konkurrenten zurück, der Rückstand zum TV Pflugfelden ist bereits auf sechs Zähler angewachsen. Für den Klassenverbleib benötigt das Team von Coach Jochen Herbst an den beiden verbleibenden Spieltagen ein Wunder: Zwei eigene Siege daheim gegen Schlusslicht VfL Herrenberg (Sonntag, 10.Juni um 11 Uhr) sowie eine Woche darauf beim drittplatzierten VfL Kirchheim/Teck sind die oberste Voraussetzung. Zudem benötigen die Gmünder Schützenhilfe, um Hofherrnweiler oder Weilheim noch abfangen oder zumindest nach Punkten gleichziehen zu können. Ein möglicher Hoffnungsschimmer besteht noch: Sollte der designierte Meister VfL Nagold über die Relegationsspiele in die Oberliga aufsteigen, würde ein Abstiegsplatz wegfallen und der FCN würde sich mit dem derzeit punktgleichen SV Böblingen um den in diesem Fall rettenden 11.Rang duellieren – doch darauf sollte sich die Normannia keinesfalls verlassen. Zwei eigene Siege sind Pflicht, um die kleine Restchance auf den Klassenverbleib zu wahren – gegen Herrenberg muss am kommenden Sonntag der erste Schritt gemacht werden.

TSG: Luca Föll – Hajris Prushi, Dimis Naoumis, Eldin Sadikovic (87.Luca Renz), Noah Brill – Simon Gronau (71.Aytac Uysal), Leon Maier – Mayimona Antonio (59.Vasilios Katsilas), Loris Maier, Antonio Cardinale – Justin Eisenmann
FCN: Philipp Röhrle – Lucas Schwarzer, Marc Seibold, Robin Fischer, Vincens Toscano – Jakob Biedermann – Patrick Anedda (73.Mady Sissoko), Alexander Iatan, Mario Schmid, Jonas Nagel (80.Kenji Klimaschewski) – Wesley Wicker
Tor: 1:0 Justin Eisenmann (25.)
Zeitstrafen: Luca Renz (TSG/81./Wiederholtes Foulspiel), Dimis Naoumis (TSG/87./Grobes Foulspiel)
Schiedsrichter: David Modro (TSG Leonberg)
Zuschauer: 55