Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Daniel Stölzel. Platz zwei nach 20 Spieltagen. Die Normannia-Fußballer sind selbst überrascht vom Erfolg. Wer am Ende auf diesem Platz steht, der hat die Chance, über die Aufstiegsrelegation in die Oberliga zu kommen.

Auch wenn Rang zwei, angesichts noch ausstehender Nachholspiele der Konkurrenz, derzeit mit Vorbehalt zu genießen ist: Der FC Normannia unter Trainer Holger Traub – dessen erste Saison eine für den Neuaufbau werden sollte – ist weiter vorne als erwartet.

Wie umgehen damit – und den Möglichkeiten, die sich vielleicht noch ergeben? Und welchen Hürden muss die Normannia noch überwinden?

„Wir wollen so lang wie möglich da oben bleiben.“ Daniel Stölzel, FCN-Verteidiger

Die gelebte Floskel: Extreme Höhenluft kann zu Schwindelgefühlen und Unsicherheit führen. Das gilt nicht nur im Alpinismus, sondern auch für Fußball-Tabellen. Des Normannia-Trainers Rezept dagegen ist Phrasenschwein-verdächtig: von Spiel zu Spiel denken. Aber Traub betont: „Das ist keine Floskel.“ Sondern der Ansatz, mit dem die Normannen bisher gut gefahren sind – und es auch für den Rest der Saison tun möchten. Es werde einfach Woche für Woche konzentriert auf den nächsten Gegner hingearbeitet – mit Schwerpunkten im Training, mit einem „Matchplan“ fürs Spiel. „Wir haben Einfluss ja nur auf unsere Arbeit“, sagt Traub.
Die Chancen, die im Raum stehen, sind gleichwohl ein Thema. „Was die Spieler reden, darauf habe ich keinen Einfluss. Jeder darf sich seine eigene Meinung bilden“, sagt der Coach. Daniel Stölzel, sein Innenverteidiger, klingt selbstbewusst, wenn er zur Lage in der Tabelle gefragt wird. „Wir wollen so lang wie möglich da oben bleiben. Und wenn es am Ende für Platz zwei reicht, dann wäre das sensationell.“ Angst, Nervosität? „Nein, das pusht uns eher“, betont Stölzel und sagt abschließend: „Wir wollen alle Woche für Woche am Ball bleiben.“
Die offizielle Linie heißt nach wie vor: das Erreichte nicht mehr hergeben.

Für Holger Traub ist das Rang vier, den die Normannia nach der Vorrunde belegt hat, als die Tabelle noch keine Unwucht durch ausgefallene Spiele hatte. „Diesen Platz wollen wir verteidigen; wir haben keinen Anspruch auf Rang sechs oder sieben.“

Das Restprogramm: Zwei Konkurrenten aus dem Führungszirkel der Tabelle hat der FCN schon abgehakt: Beim Dritten Tübingen gab’s einen 2:0-Auswärtssieg, gegen den Fünften Ilshofen eine Heimniederlage (0:3).

Bleiben drei schwierige Auswärtsspiele, deren Auflistung sich sie wie einen Gegenmittel gegen vorschnelle Aufstiegs-Euphorie liest: Als nächstes Spiel nach der Osterpause steht am 7. April das Derby gegen Tabellenführer Dorfmerkingen bevor, Mitte Mai muss der FCN beim Oberliga-Absteiger und aktuellen Vierten Hollenbach antreten. Und zum Abschluss der Saison geht’s zum Derby zum TSV Essingen (derzeit Sechster). Die Essinger hinken zwar im Moment – wieder einmal – ihren eigenen Ansprüchen hinterher, an Motivation im Derby gegen Gmünd dürfte es aber nicht mangeln, und die individuelle Klasse des TSV-Kaders ist ohnehin unumstritten.

Derby als Wegweiser? Wenn die Sportfreunde Dorfmerkingen ihr Spiel in Albstadt nachgeholt haben (am Ostersamstag), dann ist zwischen beiden der direkte tabellarische Vergleich möglich, dann werden SFD und FCN je 20 Spiele haben. Und der Tabellenführer, sofern ein Sieg in Albstadt gelingt, maximal sieben Punkte Vorsprung auf Gmünd. Die Partie, deren Hinspiel übrigens 0:0 ausging, könnte wegweisend sein für den Rest der Saison. FCN-Trainer Traub und sein Team werden mit Selbstbewusstsein aufs Härtsfeld kommen, das versichert der Gmünder Coach. Man wolle da „was holen“. Denn: „Dorfmerkingen ist keine Übermannschaft – die müssen uns auch erst einmal schlagen.“

Die Zukunft: Team bleibt weitgehend beisammen

Noch zwei Leistungsträger fraglich: Um den aktuellen Erfolg in der kommenden Saison möglichst fortzuschreiben oder gar zu toppen, hat Andrea Aiello, der FCN-Teammanager, die personellen Voraussetzungen geschaffen: Trainer Holger Traub macht weiter, und fast alle wichtigen Leistungsträger haben Verträge für die kommende Saison. Legt man die Startelf des vergangenen Spieltags (4:1 gegen Wangen) zugrunde, fehlen nur noch zwei: Andreas „Bobo“ Mayer und Dominik Pfeifer.

© Gmünder Tagespost 27.03.2018