(sch) Hochverdient führten die Jungs von Trainer Patrick Krätschmer gegen die drittplatzierte TSG Hofherrnweiler, mussten allerdings noch in der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer zum 1:1 schlucken. Die Gmünder verpassten damit zwar vorerst die Rückkehr an die Tabellenspitze in der Bezirksstaffel, besitzen jedoch weiterhin beste Chancen im Zweikampf um die Meisterschaft.

Da das Auswärtsspiel in Söhnstetten eine Woche zuvor witterungsbedingt abgesagt wurde, konnte die Krätschmer-Elf ihren Rückrundenauftakt am Samstagvormittag bei bestem Fußballwetter auf dem heimischen Kunstrasenplatz bestreiten. Dazu erwarteten die Normannia-Youngster allerdings eine knifflige Herausforderung, denn Gegner TSG Hofherrnweiler ist in dieser Saison eine wahre Wundertüte: Vor der Winterpause fügte man dem derzeitigen Spitzenreiter 1.FC Heidenheim II mit 5:0 eine deftige erste Niederlage zu, in der Vorwoche wiederum unterlag das Team vom Sauerbach dem fünftplatzierten Juniorteam Rems etwas überraschend mit 1:2. Die TSG belegt damit zwar einen vermeintlich starken dritten Tabellenplatz, ist dem Abstiegskampf allerdings näher als dem Rennen um die Meisterschaft. Trotz neun Punkten Vorsprung und obwohl man sich im ersten Aufeinandertreffen deutlich mit 4:1 hatte durchsetzen können, durften die Normannen diese Herausforderung keinesfalls unterschätzen.

So begannen die Hausherren äußerst konzentriert und erspielten sich bereits in der Anfangsphase erhebliche Vorteile, doch in der Vorwärtsbewegung fehlten die nötige Präzision und Entschlossenheit. Dario Avigliano sowie Alper Gencer ließen erste Einschussmöglichkeiten ungenutzt, ehe der Ball nach elf Minuten erstmals im gegnerischen Tornetz zappeln sollte. Der äußerst souverän leitende Schiedsrichter Admir Kurtagic verwehrte dem Gmünder Treffer allerdings zurecht die Anerkennung: Der aufgerückte Innenverteidiger Erin Zejnulahi hatte einen Avigliano-Eckstoß per Kopf verlängert, ehe Tim König die Kugel aus nächster Nähe und aus einer Abseitsposition heraus über die Linie drückte. Der FCN setzte seine Feldüberlegenheit weiterhin fort, konnte sein Chancenplus allerdings nicht in Torerfolge ummünzen: In aussichtsreicher Position wurde Kapitän Mert Arslan nach Ballgewinn und Vorlage von König von gleich drei Verteidigern ausgebremst, bei einem Distanzversuch von Nico Molinari packte der TSG-Torhüter sicher zu.

Die Gäste hatten die schwierige Anfangsphase derweil überstanden, konnten sich zunehmend aus der Bedrängnis befreien und sorgten auf der Gegenseite prompt für zwei Gefahrenmomente. Einen wuchtigen Freistoß der Nr.9 konnte FCN-Rückhalt Ali Yilmaz mit einer Glanzparade entschärfen. Kurz vor der Halbzeitpause war der auffällige Gästestürmer mit der Nr.9 unerwartet durchgebrochen, wurde erst dicht vor dem Strafraumrand durch Luka Janes gestoppt und kam im Zweikampf zu Fall. Die Hofherrnweilerer Proteste bezüglich einer vermeintlichen Notbremse verhallten allerdings ungehört: "Ball gespielt", so lautete die unmissverständliche Bewertung durch den Schiedsrichter. Torlos verabschiedeten sich beide Teams wenig später wieder in die Kabinen. Für die Mannschaft von Chefcoach Patrick Krätschmer war es die erwartete Härteprüfung in einer rasanten und intensiven Partie. Das Normannia war fußballerisch die bessere Mannschaft und vor allem durch die zahlreichen Standardsituationen gefährlich, konnte aus dieser Überlegenheit allerdings bislang kein Kapital schlagen.

Nach dem Seitenwechsel verzeichneten die Normannen ihre besten Phase in dieser Begegnung und drängten auf den erlösenden ersten Treffer, doch zunächst waren die Offensivbemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Zumeist fehlte den Gastgebern der finale, tödliche Pass in die Spitze und neben zahlreichen guten Einzelaktionen boten sich nur wenige hochkarätige Tormöglichkeiten. Eine der wohl besten Chancen hatte Molinari, verzog aber freistehend nach dem Abspiel von Gencer. Zehn weitere Minuten mussten sich der Gmünder Nachwuchs gedulden, ehe man sich für die gute Vorstellung belohnen konnte: Innenverteidiger Luca Ellinger spielte sehr präzise einen weiten Pass nach vorne, Alper Gencer gewann das Laufduell gegen den gegnerischen Verteidiger, drang in den Strafraum ein und ließ dem Tormann mit einem platzierten Flachschuss ins lange Eck hinein keine Abwehrchance – 45 Minuten lang hatte es gedauert, bis die ligaweit beste Offensivreihe (36 Saisontore) ihre lang ersehnte und überfällige Führung bejubeln konnte. Dieser Treffer hätte der Türöffner für einen souveränen Heimerfolg sein können – hätte. Denn die Krätschmer-Elf blieb zwar auch in der Folgezeit am Drücker, verpasste es aber, frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Arslan setzte einen Freistoß vom Strafraumrand knapp am Ziel vorbei, der vom eingewechselten Luca Krätschmer in Szene gesetzte Din Subasic scheiterte aus kurzer Distanz am gegnerischen Tormann und mit Jonas Kurz fand ein weiterer "Joker" im TSG-Keeper seinen Meister.

Dass die Normannia in dieser Phase, die Vorentscheidung verpasst hatte, sollte sich noch bitter rächen. Denn in den Schlussminuten mussten die Gmünder mächtig um den erhofften Heimerfolg bangen. Sechs Minuten vor Spielende wurde Mert Arslan, der bereits gelbvorbelastet war, nach einem taktischen Foulspiel mit einer fünfminütigen Zeitstrafe belegt, trotz der Unterzahl stand die FCN-Defensive weitestgehend stabil. Die Gäste hatten zwei gefährliche Abschlüsse aus knapp 20 Metern Entfernung abgefeuert, doch beide Male war Torspieler Ali Yilmaz zur Stelle und rettete den hauchdünnen Vorsprung somit bis in die dreiminütige Nachspielzeit hinein. 60 Sekunden waren bereits nach Ablauf der regulären Spielzeit vergangen, als ein tödlicher Pass, den die Normannen in der Offensive selbst hatten vermissen lassen, genau durch die Schnittstelle der Gmünder Abwehr hindurch gelangte. Die Hofherrnweilerer Nr.9 nutzte diesen Stellungsfehler, behielt freistehend vor Yilmaz einen kühlen Kopf und markierte den umjubelten Ausgleich. Gänzlich unverdient war dieser späte "Lucky Punch" zugunsten der engagierten Gäste sicherlich nicht. Denn auch in den verbliebenden zwei Minuten bis zum Abpiff fehlten der Normannia die zündenden Ideen und es blieb beim aus FCN-Sicht unglücklichen Remis.

Nach dem sicher geglaubten, aber verpassten Heimerfolg zum Pflichtspielauftakt 2018 überwog im Gmünder Lager somit die bittere Enttäuschung über zwei verlorene Punkte, die im Aufstiegsrennen noch enorm wichtig hätten sein können. Das spannende Spitzenspiel FCN gegen TSG ergab somit lediglich einen Sieger: Und zwar den 1.FC Heidenheim II, welcher durch einen 2:0-Sieg gegen die SGM Iggingen/Hussenhofen/Herlikofen vorerst die Tabellenführung übernehmen konnte. Das Meisterschaftsrennen in der Bezirksstaffel hat sich ohnehin längst zu einem Zweikampf zwischen dem FCH (1./25 Punkte) und der Normannia (2./23) entwickelt – Heidenheim hat allerdings bereits eine Begegnung mehr absolviert. Das Krätschmer-Team könnte in den kommenden Wochen den Platz an der Sonne also umgehend wieder zurückerobern, muss dazu jedoch seine beiden kommenden Auswärtsspiele beim Schlusslicht Juniorteam Alb in Söhnstetten (Mittwoch, 4.April um 18 Uhr) sowie bei der siebtplatzierten SG Bettringen (Samstag, 14.April um 14:30 Uhr) gewinnen. Eine Steigerung in puncto Kreativität und Effizienz bei den eigenen Angriffsaktionen wird jedoch zwingend von Nöten sein, um diese beiden Pflichtaufgaben erfolgreich zu lösen.

FCN: Ali Yilmaz – Erin Zejnulahi, Luka Janes, Luca Elllinger – Din Subasic (69.Nico Grützmacher), Dario Avigliano (55.Jonas Kurz), Nico Molinari (63.David Karacic), Niklas Mohr – Tim König (48.Luca Krätschmer), Mert Arslan, Alper Gencer
Tore: 1:0 Alper Gencer (45.), 1:1 Nr.9 (70.+1)
Zeitstrafe: Mert Arslan (FCN/65./Foulspiel)
Schiedsrichter: Admir Kurtagic (TV Straßdorf/SRG Gmünd)
Zuschauer: 90