(sch) Das weiterhin von enormen Personalproblemen geplagte Team von Trainer Tuna Tözge hätte nach einem mutigen und couragierten Auftritt einen Punkt durchaus verdient gehabt, doch eine der besten Saisonleistungen blieb letztlich doch unbelohnt.

"Die Moral der Jungs war überragend", musste auch U23-Teammanager Jani Marco Pless unmittelbar nach Spielende anerkennen: "Meiner Meinung nach war es die bisher beste Leistung der Mannschaft in dieser Saison". Auch von gegnerischer Seite ernteten die Gmünder viel Lob für ihren starken Auftritt im Kollektiv – umso bitterer war es für die Tözge-Elf, dass es einmal mehr nicht zu Zählbarem reichte. Denn die personell dünn besetzten Normannen boten vor rund 90 Zuschauern eine mehr als ordentliche Vorstellung, zumal man einmal mehr mit dem sprichwörtlich letztem Aufgebot angereist war: Chefcoach Tuna Tözge standen lediglich zwölf Akteure zur Verfügung, darunter sechs gelernte Stürmer. Erstmals nach seiner Meniskusverletzung stand Offensivkraft Gezim Zymeri wieder zur Verfügung und nahm noch leicht angeschlagen als einziger Ersatzspieler auf der Bank Platz.

Trotz aller Widrigkeiten zeigte die Normannia auf fremdem Platz eine bemerkenswerte Reaktion und ging die von der Presse deklarierte "Herkulesaufgabe" hochmotiviert an. So wirkte der Klassenprimus in der Anfangphase durchaus verblüfft vom hohen Tempo und Einsatz der Gmünder, die bereits nach wenigen Minuten den ersten von Tözge erhofften Nadelstich gegen den Favoriten setzen konnten: Clemens Stich versetzte auf der linken Außenbahn seinen Gegenspieler Andreas Keller, seine Flanke war ebenso mustergültig wie der folgende Kopfball des alleingelassenen Petros Gelis, welcher unhaltbar im langen unteren Toreck einschlug. "Das war wunderbar herausgespielt", musste auch einer der zahlreichen SVW-Anhänger neidlos anerkennen. Doch die Freude auf Gmünder Seite hielt nur kurz an, eine fatale Schiedsrichterentscheidung nur sechs Zeigerumdrehungen darauf geriet zum Knackpunkt der Partie. Fatih Yildiz drang von links in den Gmünder Sechzehnmeterraum ein und kam gegen FCN-Verteidiger Dennis Bechthold zu Fall, als der Ball jedoch längst ins Aus gekullert war – der Unparteiische Max Angenendt zeigte zur allgemeinen Verwunderung auf den Punkt. "Diesen Elfmeter hätte ich als Schiedsrichter sicher nicht gepfiffen", gestand auch Kai Hasenmaier nach Spielende. Der SVW-Kapitän nahm des Geschenk dennoch dankend an, verlud FCN-Tormann Walter Duschek und markierte den Ausgleich. Die nächste große Torchance hatten dann wieder die Normannen aufzuweisen, die blitzschnell umschalteten, woraufhin Veljko Milojkovic zu Christopher Schwind passte und dieser den SVW-Keeper Denis Wille mit einem wuchtigen Schuss aus 20 Metern Entfernung zu einer Glanzparade zwang. Wenig später wurde ein Schuss des freigespielten Milojkovic noch von einem Verteidiger abgeblockt, im Gegenzug vergab SV-Sturmspitze Timo Mittelnach nach einer punktgenauen Flanke von Keller eine erste gute Gelegenheit per Kopfball. Dann wendete sich das Blatt gegen die Normannen, auch aufgrund eines verletzungsbedingten Wechsels: Petros Gelis, welcher bereits angeschlagen ins Spiel gegangen war, signalisierte, dass es nicht weiterging. Für ihn musste der noch längst nicht fitte Zymeri eingewechselt werden. Nur drei Minuten später musste die sichtlich bemühte Tözge-Elf den nächsten Rückschlag hinnehmen: Keller setzte Mittelbach mit einem gedankenschnellen Zuspiel in Szene, der SVW-Angreifer konnte das Spielgerät ganz abgeklärt an Duschek vorbei zum 2:1 einschieben. Obwohl nach dem vermeintlichen Traumstart schnell wieder Ernüchterung eingekehrt war, begegneten die Normannen dem Spitzenreiter durchweg auf Augenhöhe und gönnten dem Favoriten keine Verschnaufpause. Doch beinahe hätte die Gäste noch das nächste Unglück ereilt, als Christopher Schwind unmittelbar vor dem Pausenpfiff verletzungsbedingt behandelt werden musste – der FCN-Spielführer konnte weiterspielen, wenn auch unter Schmerzen.

Da Kapitän Schwind und seine Teamkollegen ihren aufopferungsvollen Kampf auch nach dem Seitenwechsel fortsetzten, gestaltete sich die Partie weiterhin ausgeglichen. Zunächst vergaben die Gastgeber aber teils hochkarätige Möglichkeiten zum Ausbau der Führung. Duschek konnte sich bei einem Hasenmaier-Kopfball ebenso auszeichnen wie bei einem Versuch des eingewechselten Timo Kamm. Eine sich gefährlich aufs Tor senkende Yildiz-Flanke konnte der FCN-Rückhalt gerade noch entschärfen, Istvan Szabo setzte den Abpraller lediglich ins Außennetz. Wenig später stand dann erneut der Schiedsrichter bei einem harmlosen Zweikampf von Ricardo Grübel mit Yildiz erneut im Mittelpunkt, gab den vehementen Forderungen der Heimelf auf einen zweiten Strafstoß aber nicht statt. Die Normannia überstand Waldhausens Drangphase somit schadlos und versuchte anschließend selbst wieder den Druck zu erhöhen, während sich der Spitzenreiter zunehmend auf die Defensivarbeit fokussierte. Ein Freistoß von Burak Akin wurde zur sicheren Beute für Torspieler Denis Wille, auf der Gegenseite scheiterte Szabo nach Zuspiel von Moritz Wille an Duschek. In der Schlussphase boten sich der engagierten Gmünder Angreifsreihe sogar noch zwei gute Möglichkeiten zum Ausgleichstreffer, die jedoch ungenutzt blieben. Niklas Hinderer setzte an der Strafraumgrenze Mohamed Sanogo in Szene und Wille konnte den knallharten Schuss des 18-jährigen Angreifers nur mit Mühe abwehren. Nach einem Eckstoß von Hinderer legte Milojkovic den Ball zurück, doch Wille bekam den Kopfball von Sanogo sicher unter Kontrolle. Die Hausherren brachten das 2:1-Endresultat geschickt über die Zeit, die Normannia konnte den Rückstand trotz großer Bemühungen nicht mehr egalisieren und musste die Rückfahrt mit leeren Händen antreten.

Hoher Einsatz, wenig Ertrag – unterm Strich war es dann doch wieder ein gebrauchter Nachmittag für die geschwächten Gmünder, die nach mittlerweile neun sieglosen Spielen in Folge weiterhin auf einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf warten. Mittlerweile ist die Tözge-Elf auf den zwölften Platz abgerutscht und punktgleich mit den auf dem Relegationsplatz rangierenden FV Burgberg. Das harte Programm am bevorstehenden Osterwochenende wird nur mit einem größeren Kader erfolgreich zu meistern sein – am Willen der Mannschaft besteht keinerlei Zweifel. Am Samstag (15 Uhr) gastiert der zweitplatzierte FV Sontheim/Brenz im Schwerzer, am Montag geht es zum Dritten nach Bargau. Die U23-Auswahl hofft auf einen Überraschungserfolg über die Feiertage, ansonsten droht sogar der Absturz auf einen direkten Abstiegsplatz.

SVW: D.Wille – Keller, Racic (46.Kamm), Hasenmaier, Haskovic – Yel, Däffner, Szabo, Bahadir (62.M.Wille), Yildiz (85.Prater) – Mittelbach (71.Husic)
FCN: Duschek – Bechthold, Kübler, Grübel, Akin – Sanogo, Schwind, Hinderer, Stich – Milojkovic, Gelis (25.Zymeri)
Tore: 0:1 Petros Gelis (5.), 1:1 Kai Hasenmaier (11./FE), 2:1 Timo Mittelbach (28.)
Schiedsrichter: Max Angenendt (Asch-Sonderbuch)
Zuschauer: 90