85 Minuten Dominanz, nach dem Schlusspfiff nur nochSchmerz
Normannia Gmünd unterliegt fahrlässig gegen die TSG Backnang
Schwäbisch Gmünd (fcn) – In der Fußball-Oberliga hat der 1. FC Normannia Gmünd an diesem Wochenende die TSG Backnang zum Nachbarschafts- und Kellerduell empfangen. Am Ende drehte Backnang ganz spät ein Spiel, dass es eigentlich schon verloren hatte. Der 2:1-Erfolg bei der Normannia bedeutet bereits fast sicher den Klassenerhalt in der Oberliga. Normannias Trainer Zlatko Blaskic war nach dieser unglücklichen Niederlage bedient: „Wir waren die klar bessere Mannschaft, die zwingendere Mannschaft. Wenn man aber in der 84. Minute in Führung geht und danach dann so katastrophal verteidigt, verliert man eben.“
Nach einer kurzen Abtastphase entwickelte sich die Partie in der Folge zu einem ereignisreichen Spiel. Daniel Rapp ließ den ersten Warnschuss ab, knapp rauschte der Ball am linken Pfosten vorbei (10. Minute). Auf der anderen Seite probierte es Charalambos Parharidis, doch Miladin Filipovic grätschte beherzt dazwischen (14.). Dann steckte Marvin Gnaase nach starker Einzelleistung durch zu Georg Wilhelm, der ebenfalls das Tor knapp verfehlte (21.). Backnangs Patrick Tichy stand dann gut, zog ab, doch auch seinen Versuch klärten die Normannen in Kollektiv (30.). Drei Minuten später folgte die dickste Chance für die Gastgeber. Alexander Aschauer tankte sich ganz stark gegen mehrere Gegner durch, auch der Torwart Yusuf Tirso lag bereits am Boden. Nach seinem Abschluss aber bekam noch ein Abwehrspieler seinen Fuß an den Ball und lenkte diesen an den Pfosten. Nico Molinari kam nochmal an den Ball und auch diesen klärten die Backnanger wieder (33.). „Da hatten wir Riesenglück, haben mit Mann und Maus verteidigt und haben den Ball dann irgendwie rausschlagen können“, räumte Backnangs Trainer Mario Marinic nach dieser großen Gelegenheit ein.
In der 40. Minute zirkelte Aschauer einen Freistoß gen Tor, doch Tirso parierte stark. Kurz vor der Pause verzog Molinari noch einmal, doch auch dieser Ball fand nicht ins Ziel. Die erste Gelegenheit in der zweiten Hälfte hatte Lorenz Ender, der einen Kopfball knapp über die Latte setzte (54.). Nur eine Minute später tankte sich wieder Gnaase durch in den Strafraum, schloss ab, traf aber nur den rechten Außenpfosten (55.). Das Spiel war deutlich zerfahrener als noch in der ersten Halbzeit. Aschauer verfehlte das Gehäuse mit einem Distanzschuss deutlich (65.) und Daniel Rapps gute Einzelleistung wurde an der Grundlinie noch zunichtegemacht (75.).
Nach einer Ecke köpfte Aschauer, damit hatte Tirso aber kein Problem (81.). Der direkte Gegenstoß der Gäste hatte es dann in sich, doch Gürsel traf den Ball nicht richtig. Glück für die Normannia (81.). Dann aber erkämpfte sich Gnaase stark einen zweiten Ball, der bei Valerio Avigliano landete. Dessen Flanke von rechts landete bei Aschauer, der den Ball diesmal zur 1:0-Führung einköpfte (84.). Doch die Freude währte nur kurz. Von links brachte Gürsel den Ball in die Mitte, in der Julian Geldner hochstieg und zum Ausgleich einköpfte (86.).Dieser Treffer hatte gesessen bei den Gmündern, die nun keinen eigenen Angriff mehr starten konnten. Stattdessen kamen die Backnanger noch einmal auf, die zu ahnen schienen, was sie mit dem Ausgleich angerichtet hatten. Diesmal flog der Ball von der rechten Seite in die Mitte und dort grätschte Fabijan Domic am kurzen Pfosten zum Ball und markierte tatsächlich noch das 2:1 für die TSG (90.+4). Ausgerechnet der Ex-Normanne Domic ließ Trauer entstehen im Normannia-Lager, denn diesem späten Rückstand konnten die Gastgeber nichts mehr entgegensetzen.
Blaskic konnte es kaum fassen, warum seine Mannschaft nicht mindestens ein Remis geholt hatte: „Wir können uns von 85 sehr guten Minuten nichts kaufen, weil das doch ein Schlag in die Magengrube war. Aber wir haben es noch in der eigenen Hand, der nächste Spieltag wird über alles entscheiden, weil die Mannschaften hinter uns alle gegeneinander spielen. Wir müssen Denzlingen schlagen und dann sind wir auf einem guten Weg.“ Jetzt müsse man das Spiel gegen die Backnanger aber erst einmal sacken lassen. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir einzig auf uns schauen müssen, das ist das, was wir beeinflussen können. Wenn wir das machen und unsere Spiele gewinnen, dann sind wir auf keine Hilfe angewiesen“, sagte Marinic. „In der zweiten Halbzeit trifft die Normannia den Pfosten. Solch ein Spielglück braucht man auch, um Spiele zu gewinnen, so ehrlich müssen wir sein. Das uns dann am Ende noch das 2:1 gelungen ist, war der absolute Wahnsinn.“ Pendant Blaskic gratulierte derweil zum Klassenerhalt, die 39 Punkte der Backnanger würden zu „1000Prozent“. Genau diesen wünschen sich die Normannen ebenfalls.
Stimmen zum Spiel: „Bitter. Unverdient“
Stephan Fichter, Sportdirektor der Normannia: „Bitter. Unverdient. Das interessiert am Ende aber niemanden, das ist Abstiegskampf. Die machen aus wenig viel und wir machen aus viel gar nichts. Das trifft es ganz gut. In der vorletzten und letzten Aktion bekommen wir die beiden Tore.“
