„Emotionslos, führungslos, kopflos“

Normannia Gmünd unterliegt dem Schlusslicht Denzlingen mit 0:1 (0:1)

Schwäbisch Gmünd (fcn) – In der Fußball-Oberliga hat der 1. FC Normannia Gmünd an diesem Samstag als Drittletzter das Tabellenschlusslicht FC Denzlingen empfangen. Für die Normannia galt es, mit einem Heimsieg den Anschluss an das untere Mittelfeld zu finden, für die Denzlinger hingegen, überhaupt noch für die Oberliga planen zu können. Und das können sie spätestens nach diesen 90 Minuten, denn mit 1:0 setzten sie sich bei der Normannia durch – und dies alles andere als unverdient.

Diese Niederlage hat ihre Wirkung nicht verfehlt, das wollte niemand bei den Gmündern verhehlen – selbst Gmünds Trainer Zlatko Blaskic war fast sprachlos und blieb deutlich länger als gewöhnlich in seiner Trainerkabine und machte sich viele Gedanken. „Wir haben hochverdient verloren. Wir haben komplett emotionslos gespielt, führungslos, kopflos, ohne Struktur. All das, was wir unter der Woche besprochen haben, hat die Mannschaft nicht auf den Platz bekommen“, fand Blaskic nach einer Weile dann doch deutliche Worte in Richtung seiner Mannschaft.

Dass es nicht leicht werden würde für die Normannia, das wussten die Verantwortlichen rund um Trainer Zlatko Blaskicbereits vor dem Spiel. Zwar hatten die Gäste erst sechs Zähler auf dem Konto, haben aber auch etliche Spiele knapp und unglücklich verloren, in denen sie gleichwertig gewesen sind. So stellte es sich auch zu Beginn dieser Partie dar, in der die Gäste zunächst mehr vom Spiel hatten. Die Gmünder konterten zunächst und hätten vielleicht die Führung erzielen können, wenn sich Nico Molinari in einer Überzahlsituation in aussichtsreicher Position nicht hätte abdrängen lassen vom Denzlinger Kapitän Fabian Amrhein (11. Minute). Ansonsten spielte die Angst mit, die man in vielen hektischen und folglich unkontrollierten Situationen auf beiden Seiten ausmachen konnte.

Folglich waren Torchancen Mangelware in diesem Duell, was sich schnell als eines auf Augenhöhe darstellen sollte, Augenhöhe im Abstiegskampf. Dann aber schob die Normannia nach vorne, und weil spielerisch in den Angriffsbemühungen nicht viel zusammenlief, fasste sich der aufgerückte Nils Staiger ein Herz, und zog aus großer Distanz ab. Der Ball aber wurde abgeblockt und dann ging es ganz schnell bei den Gästen. Der Ball wurde zu Sandro Rautenberg weitergeleitet, der Richtung Normannia-Gehäuse lief. Im richtigen Moment passte er den Ball zum mitgelaufenen Martin Butov, der Pius Albrecht im Gmünder Kasten keine Chance ließ und das 1:0 für die Gäste erzielte (31.). Die Normannia wollte signalisieren, dass dieser Treffer keine Wirkung erzielt hatte, doch zunächst sprang nicht mehr heraus als ein Versuch von Niklas Hofmeister aus der Distanz. Das Leder flog weit über den Denzlinger Kasten (36.). Mehr passierte bis zur Halbzeit nicht mehr, außer dass sich Staiger am Muskel verletzte und durch Tobias Rössler ersetzt werden musste (43.). „Ich habe zum ersten Mal gesehen, dass die Spieler Angst haben, Fehler zu machen. Genauso haben sie agiert auf dem Platz, mit Handbremse“, sagte Blaskicernüchternd.

Zur Pause brachte Blaskic Georg Wilhelm in die Partie, Calvin Körner musste weichen. Wilhelm wechselte auf die Sechs, Fabian Kianpour rückte nach hinten in die Innenverteidigung. Diese Position hatte er schon einige Male sehr gut ausgefüllt.Diese Umstellung brachte aber zunächst nichts ein für das Spiel der Normannia, die ersten Abschlüsse hatten erneut die Gäste. Rautenbergs Versuch vom Strafraumeck flog weit drüber (51.), etwas besser war der Versuch von Neven Ivancic, der jedoch auch über den spitzen Winkel flog (53.). Drei Minuten später dann hatten die Normannen Glück. Issa Boye wurde zunächst geblockt, bugsierte dann aber mit seinemlinken Fuß den Ball vor den linken Pfosten (56.). In der 63. Minute ging Rautenberg nach einem Zweikampf mit Wilhelm im Strafraum zu Boden. Danach forderten die Gäste vehement Elfmeter, die Pfeife des umsichtig pfeifenden SchiedsrichtersJanik Wieland blieb aber stumm. Es blieb dabei, der Normannia fiel in der Offensive nichts ein. Anders die Denzlinger. Wieder tauchte Boye freistehend vor Albrecht auf, doch der Schlussmann blieb im kurzen Eck mit einer schönen Parade Sieger (74.). Auf der anderen Seite konterten die Gastgeber wieder. Erneut landete der Ball bei Molinari, derden Ball antrieb – die Gmünder liefen zu viert gegen zwei Denzlinger an – das sollte die erste Torchance werden, doch wieder ließ sich Molinari das Leder leichtwertig wegnehmen, wieder war der Angriff dahin (75.).

Es blieb bis in die Schlussminuten dabei, Denzlingens Schlussmann Oliver Gümpel musste sich noch bis dahin kein einziges Mal auszeichnen. In der 88. Minute war es dann so weit. Alexander Aschauer probierte es mit einem Freistoß aus großer Distanz – und tatsächlich musste Gümpel sich strecken, parierte den Ball aber nach außen weg. In der zweiten Halbzeit der Nachspielzeit probierte es noch einmal Wilhelm, doch den Versuch schnappte sich wieder Gümpel. So blieb es bei diesem nicht unverdienten Auswärtserfolg für die Gäste.„Ich muss mir jetzt gehörig Gedanken machen, einmal über diese Pleite schlafen. So können wir nicht weiterspielen. Das war ein schlechtes Spiel, die schlechteste Leistung in dieser Saison“, sagt Blaskic. Hoffnung mache ihm zumindest die Rückkehr von Valerio Avigliano und Tim Grupp. 

FCN: Albrecht – Rapp (80. Mayer), Körner (46. Wilhelm), Staiger (43. Rössler), Ramovic – F. Kianpour – Hofmeister, Gnaase, Molinari – Kundruweit (75. Nkem/ 90.+2 J. Kianpour) – Aschauer.

Tor: 0:1 Butov (31.)

 

Stimmen zum Spiel: „Das war der absolute Tiefpunkt“

Stephan Fichter, Sportdirektor der Normannia: „Wenn es nicht läuft, dann wollen immer auch alle mit mir sprechen, das bin ich schon gewohnt. Aber das ist ja auch normal. Das war sehr ernüchternd. Wir haben uns so viel vorgenommen, haben so viel gesprochen in dieser Woche und im Endeffekt muss man sagen, dass dies der absolute Tiefpunkt gewesen ist. Ich möchte keinem der Jungs den Willen absprechen. Fakt aber ist, dass wir zu keiner Zeit ins Spiel gefunden haben und keine Torgefahr entwickeln konnten. Ich möchte die Leistung des Gegners nicht schmälern, aber Denzlingen hat es mit relativ geringem Aufwand geschafft, uns vom eigenen Tor fernzuhalten. Ich habe eine Verunsicherung in der Mannschaft gespürt. Dieses Spiel müssen wir aufarbeiten und schnell abhaken, um wieder die Köpfe hochzubekommen. Wir müssen aus dieser Situation schnell wieder herauskommen.“