Geschockte Normannia, glückliche Essinger

Gmünder Oberligist verliert das Derby trotz drückender Überlegenheit

Schwäbisch Gmünd (fcn) – Am dritten Spieltag fand bereits das Ostalb-Derby zwischen dem TSV Essingen und dem 1. FC Normannia Gmünd statt. Und wie fast immer gab es reichlich Diskussionsstoff nach der Partie, unter anderem wegen einer Entscheidung des Unparteiischen, die vor allem die Normannen nicht nachvollziehen konnten.

„Essingen weiß vermutlich gar nicht, wie es gewonnen hat“, sagte FCN-Trainer Zlatko Blaskic nach der Partie kopfschüttelnd. In den ersten 20 Minuten egalisierten sich die Teams weitestgehend. Ab der 20. Minute dann erhöhten die Gastgeber das Tempo und wurden schnell belohnt, jedoch dank eines haarsträubenden Abwehrfehlers der Gmünder. Leon Leuze flankte von links mustergültig auf Niklas Groiß, der per Kopf zum 1:0 traf (26.). Bis auf einen Distanzschuss von Niklas Hofmeister war von der Normannia noch nichts zu sehen, dann aber: Marvin Gnaase steckte wunderbar durch zu Alexander Aschauer, der freistehend am allerdings bravourös reagierenden Jerome Weisheit im Tor der Essinger Tor scheiterte (32.). 

Die zweite Halbzeit begann wie die erste, in den Strafräumen passierte herzlich wenig, ehe Vjejko Milojkovic eingewechselt wurde bei den Gmündern. Er belebte das Spiel sichtlich, dazu wechselten Nico Molinari und Niklas Hofmeister die Seiten. Milojkovic leitete schließlich den Ausgleich stark ein. Er schirmte den Ball mit dem Rücken zum Tor ab, steckte durch zu Tim Grupp, der in der Mitte Aschauer sah, der das Leder aus kurzer Distanz unter die Latte zum 1:1 donnerte (67.). Das war spätestens der Weckruf für die Normannen, die plötzlich nur noch nach vorne stürmten. Nur drei Minuten später bereits hätte die Partie komplett gedreht sein müssen. Molinari bediente Aschauer, der ein weiteres Mal an Weisheit scheiterte. Doch der Ball blieb heiß und noch einmal kam Aschauer an den Ball, traf diesmal freistehend die Latte (70.). „Wir hatten so viele Chancen, sodass wir es schon viel früher hätten zumachen müssen. In der zweiten Halbzeit war es teilweise ein Scheibenschießen, wobei Weisheit natürlich auch überragend war. Da müssen wir uns schon an die eigene Nase packen.“

Kurz darauf war es wieder Milojkovic, der diesmal Hofmeister bediente, der wieder an Weisheit scheiterte (76.). Kurz darauf dribbelte sich Hofmeister durch, schloss ab, doch wieder stand Essingens Schlussmann im Weg (84.). Als alles auf den Gmünder Treffer wartete, spielten die Essinger einen langen Ball. Nils Staiger und Janik Wiedmann gingen ins Laufduell, Wiedmann kam von hinten und Gmünds Schlussmann Yannick Ellermann kam auch noch heraus. Staiger ging zu Boden, die Normannen forderten Freistoß, doch die Pfeife des Unparteiischen blieb stumm. Aus dem Gewühl heraus landete der Ball im Strafraum bei Benjamin Dudda, der wenig Mühe hatte, das Leder in den fast verwaisten Kasten zu bugsieren. In der Folge beschwerten sich Gnaase und Grupp lautstark, beide sahen Gelb. Grupp bekam dann sogar noch Gelb-Rot und war selbst nach dem Schlusspfiff kaum zu beruhigen. „Gemessen an der Linie im ganzen Spiel war es nur folgerichtig, dass er das auch laufen lässt. Für mich war es kein klares Foul. Man kann das sicherlich pfeifen, dann hätte man diese Fouls aber das ganze Spiel schon pfeifen müssen“, resümierte Essingens Trainer Simon Köpf, der anfügte: „Ich hätte es gepfiffen, aber nach der Linie zuvor war es folgerichtig, dass er nicht pfeift.“

In der Nachspielzeit verpasste noch einmal Milojkovic nach guter Aschauer-Vorgabe, sodass es bei diesem glücklichen Sieg der Essinger blieb. Der ehemalige Vorsitzende des TSV, Helmut Präger, fasste es letztlich ganz gut zusammen: „Gmünd war deutlich besser, aber so ist das manchmal im Fußball.“

Blaskic ärgerte sich verständlicherweise: „Das Tor, das wir kassieren, ist eine Frechheit. Ich kann das nicht verstehen. Da gibt es keine zwei Meinungen, dass das ein Foul war. Wenn selbst die Essinger das sagen, dann sagt das doch schon viel aus.“ Ihm gehe es auch nicht um die Fehlentscheidung als solche, wie er sagte: „Mir geht es um die Argumentation hinterher: Für jede Situation gibt es eine Ausrede. Da hat sich noch nie jemand hingestellt und gesagt, dass er oder sie einen Fehler gemacht hat“, ärgert sich Blaskic.

Den Normannen bleibt am Ende nur, dass sie eine bärenstarke Halbzeit gespielt haben, sich aber einfach nicht belohnt haben. Der FCN wird sich davon schnell erholen müssen, denn bereits am kommenden Freitag tritt die Mannschaft von Zlatko Blaskic gegen den Göppinger SV an, eine Woche später dann ist man beim VfR Aalen zu Gast.

 

Normannia-Sportdirektor Stephan Fichter: „In der zweiten Halbzeit haben wir phasenweise Fußball wie aus dem Lehrbuch gespielt und hatten gegen eine Mannschaft, die nur defensiv agiert, acht, neun klare Torchancen, bei denen wir uns belohnen müssen, wie schon in der vergangenen Woche. Dann gab es eine Fehlentscheidung, die letztlich spielentscheidend war. Mit so einem Auftritt aber kann ich etwas anfangen.“