Kantersieg zum Auftakt
Normannia Gmünd siegt in temporeichem Spiel 5:1 (2:1) gegen den FC Nöttingen
Schwäbisch Gmünd (fcn) – Saisonauftakt im Schwerzer: Die Normannia hat am ersten Spieltag den FC Nöttingen zu Gast gehabt. Am Ende stand aus Sicht der Normannia der perfekte Saisonauftakt zu Buche, man schlug den anderen FCN mit 5:1 (2:1) in einer durchweg ansehnlichen Partie. „Wir haben heute gegen einen extrem starken Gegner gespielt, der extrem gut Fußball spielen kann. Die erste Halbzeit war völlig ausgeglichen. Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir schließlich verdient gewonnen“, resümierte Gmünds Trainer Zlatko Blaskic den Auftakterfolg.
Pünktlich zum Anpfiff öffnete der Himmel seine Schleusen, sodass sich beide Teams erst einmal an das rutschige Geläuf gewöhnen mussten. Dann aber nahm das Spiel ordentlich Fahrt auf, als wäre der Regen ein Beschleuniger gewesen. Einen langen Ball von Miladin Filipovic nahm Marvin Gnaase geschickt mit, zog von links nach innen, scheiterte dann aber im spitzen Winkel an Nöttingens Schlussmann Thilo Marksteiner (11. Minute). Im direkten Gegenzug dann griff Nöttingen über rechts an, die Hereingabe bugsierte Tasos Leonidis aus kürzester Distanz am Gehäuse vorbei (11.). Kurz darauf aber jubelte die Normannia. Über rechts tankte sich Georg Wilhelm stark durch, legte flach zurück auf Gnaase, der aus fünf Metern vollstreckte (14.). Insgesamt waren die Gastgeber gut in der Partie, passten dann aber nicht auf. Einen längeren Ball der Normannia fing Stefan Zimmermann stark ab und bediente im Mittelfeld Leonidis, der unbehelligt rund 20 bis 30 Meter laufen konnte, schließlich vom Sechzehner abzog und ins kurze rechte Eck zum 1:1 traf (21.). Nur zwei Minuten später stieg Matej Mijic rüde gegen Gmünds Schlussmann Yannick Ellermann ein, der länger behandelt werden musste (23.). Der Gmünder Anhang war sich einig: mit Gelb war der Nöttinger Stürmer gut bedient, die meisten forderten Rot. Glücklicherweise konnte Ellermann weiterspielen. Diese Situation führte dazu, dass die Partie insgesamt hitziger wurde, viele Zweikämpfe wurden intensiv geführt, nicht wenige Gelbe Karten wurden verteilt (neun insgesamt). Dann aber passierte auch wieder einmal etwas im Strafraum. Nach einem stark getretenen Freistoß von Filipovic, einer der auffälligsten Gmünder, tauchte Alexander Aschauer frei auf, brachte aber nicht genug Power hinter seinen Kopfball (37.).
Drei Minuten später war es erneut Leonidis, der vom Strafraumrand abzog, diesmal aber das Gehäuse knapp verfehlte. Nach einer Filipovic-Ecke patzte Nöttingens Schlussmann, sodass Calvin Körner freistehend köpfen konnte, ein Nöttinger Kopf aber den Einschlag verhinderte (43.). Doch ein Treffer sollte noch fallen. Gnaase bediente wunderbar Daniel Rapp, der den Ball jedoch nicht richtig verarbeiten konnte, aber am Ball blieb. Von Nico Molinari kam der Ball schließlich nochmal in die Mitte. Dort arbeitete Tim Grupp den Ball zum 2:1 über die Linie (44.).
Kaum war die Partie wieder angepfiffen, wurde es abermals turbulent. Wieder der umtriebige Leonidis zog ab – undplötzlich stand es 2:2 (47.). Doch die Fahne des Unparteiischen schnellte recht bald hoch, ein Nöttinger Akteur stand in der Schusslinie im Abseits, behinderte Ellermann direkt. Dann aber kam der Auftritt von Nico Molinari. An der Mittellinie bekam er den Ball und dribbelte unnachahmlich nach vorne, ließ gleich drei Nöttinger stehen und steckte den Ball perfekt durch zu Aschauer, der dank dieses Molinari-Tanzes freistand und mühelos das 3:1 erzielen konnte (49.). Statt 2:2 stand es somit binnen drei Minuten 3:1, ein Schlag ins Kontor der Nöttinger, was nach Spielende auch Nöttingens Trainer Dennis Will anmerkte. „Da ist die Partie endgültig gekippt.“
Doch anstatt sich auf diesem 3:1 auszuruhen, scheuchte Blaskic seine Mannen weiter nach vorne, die in dieser Phase eine ungeheure Wucht entfachten und die Nöttinger förmlich einschnürten. Trotz phasenweiser drückender Überlegenheitfanden die Gäste immer wieder Lücken, zu allen Zeiten im Spiel, fanden sie immer wieder den Weg vor das Normannia-Gehäuse. In der 52. Minute passte Nils Staiger in letzter Instanz stark auf. Zwei Minuten später hätte das 4:1 fallen können: Aschauer bediente Grupp per Kopf, der den Ball im Fallen aus kurzer Distanz über das Tor bugsierte (54.). Vier Minuten später schoss Leonidis aus spitzem Winkel drüber (58.). Das Spiel war so intensiv und temporeich, das man mit jedem Gang zur Wurstbude damit rechnen musste, etwas Entscheidendes verpassen zu können.
Dann aber jubelte der Gmünder Anhang wieder. Ein Filipovic-Freistoß von der rechten Seite segelte an allen im Nöttinger Strafraum vorbei, nur nicht an Calvin Körner, der das Leder per Flugkopfball zum entscheidenden 4:1 in die Maschen drückte (61.). Kurz darauf wurde Aschauer erneut freigespielt, umdribbelte den Torwart, traf dann jedoch nur das Außennetz (67.). Nach einer turbulenten Situation im Strafraum, Valerio Avigliano hatte den Ball von rechts scharf gemacht, kam Nico Molinari zum Abschluss, scheiterte aber an Marksteiner aus kurzer Distanz (73.) – Es gab noch viele weitere Chancen, obwohl die Normannia bereits recht effektiv agierte. Die Normannia machte weiter, doch die Nöttinger ließen sich nicht entmutigen und hätten durch den eingewechselten Albin Sahiti zwingend den Anschlusstreffer herstellen müssen. Alleine durchbrechend verfehlte dieser jedoch das Gehäuse um Zentimeter (78.). Kurz darauf dann zeigte noch einmal Nico Molinari, über welch Ausnahmentalent er verfügt. Angespielt kurz nach der Mittellinie schnappte er sich das Leder, schüttelte zwei Gegenspieler ab, umdribbelte den Schlussmann und machte es besser als zuvor Aschauer: Er traf ins Netz zum 5:1-Endstand (79.). Das war dann das i-Tüpfelchen auf die Leistung des quirligen Mittelfeldspielers und der abermalige Knockout für die Gäste, die trotz dieser aussichtslosen Situation immer noch weiter nach vorne spielten.
Nach der Partie mussten die Normannen nicht ihre Wunden lecken, sondern den Rasen wieder herstellen. Alle packten mit an, drückten herausgebrochene Stellen wieder in die Erde, was auch einen Grund hatte. Um bei den Regenmassen überhaupt spielen zu können, war ein Team um Heinz Eyreiner und Markus Grupp seit 11 Uhr morgens im Einsatz, um den Rasen bespielbar zu machen, wofür sich auch Blaskic nach der Partie explizit bedankte. Gerätschaften vom Tennisverein wurden zusätzlich ausgeliehen. Es sollte funktionieren – und so war es das Mindeste, dass die Normannen nach der Partie selbst mit angepackt haben. „Einfach großartig, es war sehr fragwürdig, ob wir überhaupt spielen können“, lobte Normannias Trainer explizit und bedankte sich beim Rasenpflegeteam. Kein Wunder also, dass sich auch die Spieler nach Schlusspfiff um das Wohlergehen des Platzes sorgten.
Nöttingens Trainer Dennis Will sprach nach der Partie von einem verdienten Sieg, „letztlich auch in der Höhe“. Seine Mannschaft habe im letzten Drittel nicht oberligareif verteidigt, „und das hat den Unterschied gemacht. Wir waren immer einen Schritt zu spät und auch die 50:50-Zweikämpfe haben wir alle verloren. Da dürfen wir uns nicht beschweren“, so Will weiter. Funfact am Rande für alle Normannia-Fans: Der FCN ist Spitzenreiter.
FCN: Ellermann – Avigliano (84. Nkem), Körner (81. Rössler), Staiger, Filipovic – Grupp, Wilhelm (71. Kianpour) – Rapp (75. Mayer), Gnaase (81. Milojkovic), Molinari – Aschauer.
Tore: 1:0 Gnaase (14.), 1:1 Leonidis (21,), 2:1 Grupp (44.), 3:1 Aschauer (49.), 4:1 Körner (61.), 5:1 (79.).
Stimmen nach der Partie
„Wir bleiben auf dem Teppich“
Calvin Körner, FCN-Verteidiger und Torschütze: „Es war heute entscheidend, dass wir brutal effektiv waren. Das hat uns in der Vorbereitung noch ein wenig gefehlt, auch schon in der vergangenen Saison. Heute war gefühlt jede Chance drin. Ich denke, dass es auch von außen Spaß gemacht hat, zuzuschauen, weil es auch ein sehr schnelles Spiel gewesen ist. Nach dem aberkannten Treffer war es sicherlich nicht verkehrt, dass wir direkt das 3:1 machen und den Flow mitnehmen. (Zum aktuellen Mannschaftsgefüge) Da hat das Trainingslager seinen Teil dazu beigetragen, weil man sich auf einer ganz anderen Ebene kennenlernt. Das zeichnet die Normannia ohnehin aus, dass man bei uns recht schnell in die Mannschaft findet. Das 5:1 dürfen wir aber nicht überbewerten. In der nächsten Woche brauchen wir vielleicht zehn Chancen für einen Treffer. Wir bleiben auf dem Teppich, wenngleich wir das 5:1 auch kurz genießen.“
Marvin Gnaase, Mittelfeldregisseur und Torschütze:„Heute ist schon ziemlich viel richtig gut gelaufen. Nöttingen ist eine Mannschaft, die immer gefährlich ist, die eine brutale Qualität hat, vor allem vorne. Aber wir haben wirklich viel wegverteidigt, und vorne hat eine Menge geklappt. Ich denke, dass es sogar noch höher hätte ausgehen können, aber mit diesem 5:1 sind wir natürlich absolut zufrieden. Wenn das 2:2 tatsächlich gefallen wäre, dann wäre das Spiel vielleicht noch einmal gekippt, da hätten wir uns noch einmal ganz anders reinkämpfen müssen. Das 3:1 direkt im Gegenzug gab uns dann natürlich Rückenwind. Jetzt haben wir einen guten Start gehabt. Wir wollten mit drei Punkten beginnen, das ist uns gelungen. Wir dürfen das Ergebnis nicht überbewerten, weil es in der nächsten Woche wieder von vorne losgeht.“
Tim Grupp, Defensivakteur und Torschütze: „Das Momentum war auf unserer Seite und wir haben die Tore immer zum richtigen Zeitpunkt gemacht. Nach dem 4:1 haben wir dann gemerkt, dass bei den Nöttingern die Köpfe runterhingen, die Körperspannung nicht mehr gegeben war. Wir aber sind voll dringeblieben. Dieses 5:1 ist mehr als gut,bringt uns aber auch nur drei Punkte. Solch ein Ergebnis kann beflügeln, kann aber auch dazu führen, dass man selbstzufrieden wird. Das wollen wir natürlich vermeiden und nächste Woche wieder Gas geben. Das ist immer ein schmaler Grat. Nöttingen war über 90 Minuten gesehen sicher keine vier Tore schlechter.“
