Knockout in der Nachspielzeit

Normannia Gmünd unterliegt nach großem Kampf in Minute 97

Schwäbisch Gmünd (fcn) – In der Oberliga ist es am Mittwochabend zu einem wahren Fußballkrimi gekommen. Dem 1 FC Normannia Gmünd klebt dabei weiterhin das Pech an den Kickstiefeln: In der siebten Minute der Nachspielzeit erzielte Christian Kuhn vom VfR Mannheim den 2:1-Siegtreffer – gegen zehn Normannen. Mitsamt des Pokalausscheidens war es die fünfte Niederlage in Serie für den FCN. „Es fällt mir heute schwer, doch Fußball ist ein Ergebnissport. Die Rote Karte bekommen wir völlig zurecht. Danach dann haben wir es über den Willen probiert und machen das 1:1. Dann aber läuft es, wie es im Moment läuft: gegen uns“, resümierte Gmünds Trainer Zlatko Blaskic. 

Dass der VfR zu den Topteams zählt, das unterstrich er im Schwerzer vor allem in den ersten 60 Minuten. Dominant auftretend ließen die Gäste den Kickern des FCN kaum Luft zum Atmen und erspielten sich reihenweise Chancen. Bereits in der sechsten Minute knallte Shaban Veselaj den Ball aus kurzer Distanz vor die Unterkante der Latte. Fünf Minuten später war es so weit: Ein langer Ball von der linken Seite landete bei Enes Olgun Tubluk, der den Ball wuchtig zur Führung ins Tor wuchtete (11. Minute). Zwei Minuten später folgte eine fast identische Situation, diesmal aber war ein Normanne rechtzeitig vor Tubluk am Ball. Dass Alexandru Paraschiv nach einer Hereingabe von rechts haarscharf am Ball vorbeirutschte, war Glück für die Normannen (20.). Die erste Offensivaktion der Gastgeber resultierte aus einer feinen Einzelleistung von Nico Molinari, der zwei Gegenspieler narrte und dann abzog. David Nreca-Bisinger aber parierte den Distanzschuss (24.). Dann konnte erneut Tubluk nicht aufgehalten werden, seinen Abschluss parierte Yannick Ellermann im Normannia-Gehäuse stark mit dem Fuß (36.). Der Ball blieb in der Folge bei den Mannheimern, am Ende wurde es noch einmal gefährlich, Tubluk traf schließlich das Außennetz (36.).

Dann aber, kurz vor dem Pausenpfiff, gab es die große Chance für die Normannia. Nach einer Ecke kam Fabian Kianpour an den Ball, schloss wuchtig ab, doch Nreca-Bisinger war auf dem Posten, per Nachschuss scheiterte schließlich Tobias Rössler (44.). 

Doch in der zweiten Halbzeit ging es zunächst weiter, wie zu Beginn der ersten. Der ehemalige Bundesligaprofi Alexander Eßwein zwang Ellermann gleich wieder zu einer Parade (46.) und nur eine Minute später war der aufgerückte Raphael Akoto am Fünfmeterraum völlig frei, verfehlte aber das Gehäuse. Noch einmal Akoto tankte sich kurz darauf in den Sechzehner, traf am Ende aber den Ball nicht richtig, Ellermann konnte sich das Leder schnappen (50.). Zwei Minuten später wurde Eßwein soeben noch geblockt. Das war wieder eine Phase wie in der ersten Hälfte, in der die Normannen nicht zum Verschnaufen kamen. Dann aber klärte Rössler an der Mittellinie den Ball in die Füße der Mannheimer. Schnell spielte der VfR den Ball in die Schnittstelle nach vorne, in der Veselaj durchbrach und von Nils Staiger nur per Foul gebremst werden konnte. Timon Ulrich hatte keine andere Wahl, zeigte Rot (60.). Es ist die vierte Rote Karte im sechsten Spiel für die Normannen, ein unrühmlicher Wert. Nicht wenige unter den rund 400 Zuschauerinnen und Zuschauer dachten in diesem Moment, dass es das nun endgültig gewesen sei für die Normannen. Doch diese wirkten paradoxerweise wie wachgeküsst durch diesen Platzverweis, hielten deutlich stärker dagegen als in der Stunde davor – und spielten plötzlich munter nach vorne. „Wir wussten, was auf uns zukommt, haben die Normannen beobachtet, die gegen den VfR Aalen ein sensationelles Spiel gemacht haben. Wenn sie den Platzverweis nicht bekommen, dann gehen sie in Aalen nicht als Verlierer vom Platz. Dementsprechend haben wir uns darauf eingestellt, dass es ein großer Kampf wird“, sagte Mannheims Trainer Marcel Abele.

Einen Freistoß aus rund 22 Metern knallte Alexander Aschauer vor die Latte (66.), jetzt war spätestens das Publikum da, feuerte die Normannen lautstark an. 

Die Gmünder waren in Unterzahl plötzlich ebenbürtig. Einen Freistoß von rechts von Valerio Avigliano klärten die Mannheimer nur mit großer Mühe (81.). Dann landete ein Chipball bei Aschauer, der per Kopf weiterleitete zu Levin Kundruweit, der im Fallen den umjubelten Ausgleich erzielte(82.). Es war das erste Tor des Neuzugangs für die Normannen, die sogar noch mehr wollten. Eine Flanke von Miladin Filipovic landete bei Kelecti Nkem, der frei zum Kopfball kam, jedoch drüberköpfte (88.). Da wäre das Spiel fast gedreht gewesen. 

Danach dann erhöhten die Mannheimer noch einmal den Druck, schnürten die Gmünder ein, die sich stark wehrten. Beim Fehlversuch von Vincent Hofer hatte der FCN Glück, dass er das Tor verfehlte (90.+2), doch als die siebte Minute der Nachspielzeit lief, kam im Hinterhalt Christian Kuhn an den Ball und versenkte das Leder aus rund 16 Metern. Der VfR feierte diesen Erfolg, als habe er bereits die Meisterschaftgewonnen, auf Gmünder Seite sah man nur in betretene Gesichter. Blaskic saß noch minutenlang auf seiner Trainerbank, konnte nicht fassen, wie dieses Spiel ausgegangen ist. Doch der Blick richtet sich bereits wieder nach vorne bei den Normannen. Am Samstag (15.30 Uhr) tritt der FCN beim FSV Hollenbach an. „Der Ausgang des Spiels war natürlich glücklich, wenn man mit der letzten Aktion den Auswärtssieg holt. Nichtsdestotrotz nehmen wir den Sieg natürlich gerne mit“, sagte Abele. „Jetzt ist die Frage: Bleiben wir liegen oder stehen wir auf? Es gibt keine zwei Meinungen, dass das unglücklich war, dennoch steht das 2:1 für Mannheim“, so Blaskic nach dem Schlusspfiff.

FCN: Ellermann – Avigliano, Rössler, Staiger, Filipovic –Kianpour, Grupp (34. Hofmeister) – Rapp (46. Kelecti), Wilhelm, Molinari (73. Kundruweit) – Aschauer (90. Milojkovic)

Tore: 0:1 Tubluk (11.), 1:1 Kundruweit (82.), 1:2 Kuhn (90.+7)

 

Stimmen zum Spiel: „Ich bin gerade wirklich etwas sprachlos“

Levin Kundruweit, FCN-Torschütze: „Das war unfassbar bitter, mit der letzten Aktion. Wir haben in Unterzahl alles gegeben, haben alles reingeworfen und hätten sogar selbst noch ein Tor machen können. Heute sind wir um die harte Arbeit gebracht worden. Ich bin gerade wirklich etwas sprachlos. Wir haben an uns geglaubt, mussten an uns glauben und alles reinwerfen, um den Spieß vielleicht noch einmal umzudrehen. Es ist nicht selbstverständlich, in Unterzahl noch ein Tor zu erzielen, eine weitere Chance zu haben. Leider stehen wir jetzt trotzdem mit leeren Händen da.“

Fabian Kianpour, FCN-Defensivallrounder: „Am Ende überwiegt natürlich das Bittere. Es ist sehr hart, wenn man in letzter Sekunde solch ein Tor kassiert. In der letzten halben Stunde haben wir uns gut reingekämpft. Da haben wir alles versucht, was in unserer Macht steht. Mannheim ist aber auch eine gute Mannschaft. Wir versuchen weiter alles, vielleicht brauchen wir mal einen glücklichen Sieg, ein Spiel, dass auf unsere Seite fällt. Mehr als alles versuchen können wir nicht.“