Leidenschaftliche Gmünder chancenlos gegen eiskalten Primus

Der VfR setzt sich bei Normannia Gmünd mit 4:0 (1:0) durch

Schwäbisch Gmünd (fcn) – In der Fußball-Oberliga hat der 1. FC Normannia Gmünd an diesem Wochenende den Tabellenführer VfR Aalen zum Derby empfangen. Sportlich gesehen ist es natürlich eine besondere Partie gewesen, aber natürlich spielte auch eine Menge Lokalkolorit mit, wenn diese beiden Mannschaften aufeinandertreffen. Am Ende hatte die Normannia nur wenige Chancen, dieses Spiel in eine andere Richtung zu lenken und musste sich mit einem 0:4 (0:1) abfinden. „Das war ein verdienter Sieg des VfR, da gibt es keine zwei Meinungen. Zwei Gründe für diese Niederlage: Aalen ist einfach richtig gut und uns hat heute der Mut gefehlt. Wenn man das zusammenrechnet, dann kommt dieses Ergebnis zustande“, resümierte Normannias Trainer Zlatko Blaskic recht pragmatisch.

Dass es sich um eine besondere Partie handelt, das merkte man recht schnell am Umfeld. Ein Polizeiaufgebot begleitete die Gästefans, Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold sowie der Landtagsabgeordnete Tim Bückner waren ebenfalls anwesend, dazu zahlreiche Fußballer der Region, die selbst nicht vor den Ball treten mussten. Insgesamt kamen bei frühlingshaftem Wetter über 1500 Zuschauer in den Schwerzer, es war eine beeindruckende Kulisse. 

Die Normannia hielt in den ersten Minuten gut dagegen, es war schnell klar, was Zlatko Blaskic seiner Mannschaft mitgegeben hatte: Leidenschaft sollten sie auf den Rasen bringen. Das gelang zunächst auch, der Favorit kam zu keiner nennenswerten Chance. Die dritte Ecke der Gäste brachte dennoch die Führung. Nach einer Verlängerung war Niklas Antlitz aus kurzer Distanz per Kopf zur Stelle (14. Minute). Der Jubel war groß beim überwiegend schwarz-weißen Anhang, der die gesamte Gegentribüne einnahm. Per Fanmarsch von der Gmünder Innenstadt aus sind viele in den Schwerzer gekommen. Kurz darauf ertönten von den Ultras das erste Mal die „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Sprechchöre.Kurz darauf durften sich die Gmünder bei Yannick Ellermann bedanken, der per Fuß gegen den frei durchlaufenden Sasa Maksimovic zur Stelle war (18.). 

Danach dann aber berappelten sich die Gastgeber wieder, spielten ihrerseits nach vorne. Die erste Möglichkeit hatte der Ex-Aalener Daniel Rapp, der es aus rund 20 Metern probierte, jedoch an Maximilian Otto im Tor der Aalener scheiterte (26.). Doch es war nur ein Strohfeuer, der VfR hatte längst die Regie über diese Partie übernommen. Nur eine Minute später wurde es wieder gefährlich rund um Ellermann, erneut nach einer Ecke. In der Mitte stieg Antlitz am höchsten, scheiterte aber am hechtenden Ellermann (27.). Der VfR blieb gefährlich durch seine Standards, was Blaskic ärgerte. „Aalen war da präsenter, aber nur, weil wir sechs Ecken hergeschenkt haben.Wir haben die Bälle frei rausgebolzt, ohne jeden Druck. Da hat mir einfach der Mut gefehlt“, so Blaskic. In der Folge eines Freistoßes war in der Mitte ein bekannter Aalener erneut unbewacht: Antlitz. Seinen Volleyversuch parierte erneut Ellermann (32.).

Die zweite Offensivaktion der Gastgeber lief über Nico Molinari, Sohn des VfR-Trainers Beniamino. Seine Flanke fand Rapp, der jedoch nicht abzog, sondern querlegen wolltein die Mitte. Diesen Ball aber konnten die Aalener klären.Weiterhin dominierte der VfR, was keinen sonderlich überraschte, doch die Gmünder Kicker hatten ihren Coach verstanden, mangelnde Leidenschaft konnte man ihnen nicht vorwerfen. Kurz vor dem Pausenpfiff wurde es erneut gefährlich, natürlich durch eine Ecke. Ali Odabas köpfte am kurzen Pfosten in Richtung Tor, doch Ellermann war lang genug und lenkte den Ball über die Querlatte (45.+2).

Zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigten die Gmünder, dass sie sich nicht mit diesem Rückstand abfinden wollten. Einem recht harmlosen Versuch von Georg Wilhelm, folgte ein wuchtiger (48., 49.), die Normannia wollte den Ausgleich. Doch da spielte der VfR nicht mit. Nach dem Eckball, der aus dem Wilhelm-Versuch entstand, schlugen die Gäste den Ball nach vorne. Der zurückgebliebene Molinari schlug ein Luftloch, erkämpfte sich den Ball gegen Stefan Wächter aber noch einmal stark zurück. Der Ball aber landete nach seiner Grätsche jedoch genau bei Maksimovic, der eiskalt blieb und den Ball ins rechte Eck chippte (50.). Aus Sicht der Aalener hätte dieser Treffer zu keinem besseren Zeitpunkt fallen können. Jetzt schien die Gegenwehr der Gastgeber gebrochen zu sein. Als kurz darauf Jascha Döringer den Ball ins linke Eck zum 3:0 zirkelte, war diese Partie bereits früh entschieden (58.). 

Am Spiel änderte sich nicht viel, die Normannia probierte viel, kam in der Offensive aber nicht zur Geltung gegen stabile Aalener. Dann spielte sich der VfR wieder nach vorne und kombinierte sich in den Strafraum. Vico Meien spielte den Ball quer, Dean Melo ließ clever durch und dann landete das Leder bei Benjamin Kindsvater. Der legte sich das Leder noch einmal vor und schlenzte den Ball sehenswert in die rechte Ecke (76.). Ein schöner Treffer, das mussten auch die Gmünder neidlos anerkennen. Die Gästefans feierten unentwegt weiter: „Der VfR ist wieder da“ schallte es durch den Schwerzer. Die Normannen mussten sich am Ende einer brutalen Effizienz geschlagen geben. „Wir haben nach der Winterpause zwei Spiele absolviert, 10:0 Tore und ich habe dennoch das Gefühl, dass sich niemand freut. Das ist nicht selbstverständlich, was die Jungs hier Woche für Woche abreißen. Vor der Mentalität dieser Mannschaft kann ich nur den Hut ziehen“, sagte Aalens Trainer Beniamino Molinari.

Für die Aalener geht es jetzt, wie zuletzt bei der Normannia, in weitere Derbys, zunächst Göppingen und dann Essingen, beide Partien daheim, ehe es zum Oberliga-Showdown an der Tabellenspitze in Mannheim kommt. Alle, die es mit dem VfR halten, dürften in der kommenden Woche FCN-Fans sein. Die Blaskic-Elf ist dann zu Gast beim Tabellenzweiten Mannheim. Molinari sagte bei der Pressekonferenz grinsend in Richtung Blaskic: „Ich weiß nicht, gegen wen ihr nächste Woche spielt, aber vielleicht könnt Ihr dort gewinnen.“ Für den Gmünder Molinari wäre dies gleich doppelter Grund zur Freude, aus seiner Verbundenheit zur Normannia hat er niemals einen Hehl gemacht. Ohnehin mache er sich keine Sorgen, dass die Normannia bis zum Ende Vollgas geben werde – und dadurch der Klassenerhalt am Ende zu Buche steht. 

FCN: Ellermann – Avigliano, Körner, Rössler, Staiger (60. Filipovic) – Wilhelm, Grupp – Rapp (68. Hofmeister), Gnaase(60. Kundruweit), Molinari (83. Reik) – Aschauer.

VfR: Otto – Hannan, Odabas, Campagna (70. Kahriman), Geyer, Maksimovic (70. Prodanovic), Döringer, Kindsvater(78. Groß), Antlitz (66. Kienle), Meien, Wächter (66. Melo).

Tore: 0:1 Antlitz (14.), 0:2 Maksimovic (50.), 0:3 Döringer(58.), 0:4 Kindsvater (76.)

 

Stimmen nach dem Spiel: „Der Sieg geht in dieser Höhe völlig in Ordnung“

Yannick Ellermann, FCN-Schlussmann und Kapitän: „Es ist durchaus berechtigt, dass Aalen da oben steht. In der zweiten Halbzeit war der VfR gnadenlos. Da sind wir eigentlich ganz gut rausgekommen, haben dann einen Eckball und bekommen dann nach diesem das 0:2. Das war richtig hart. Mit der zweiten Aktion macht der VfR das 3:0, das hat dann den Stecker gezogen. Die erste Halbzeit war ordentlich, mit klaren Feldvorteilen für die Aalener. Dennoch konnten wir das Spiel da noch offen gestalten, es stand nur 0:1. Am Ende müssen wir feststellen, dass Aalen eine individuelle Qualität hat, die unbestritten ist. Der Sieg geht in dieser Höhe völlig in Ordnung.“

Maximilian Otto, VfR-Schlussmann: „Das war ein verdienter Sieg, von der ersten bis zur 90. Minute hatten wir die Normannia im Griff. Spielerisch war es nicht unser bestes Spiel, wir haben viel mit langen Bällen operiert. Man gewinnt aber keinen Schönheitspreis, am Ende zählen die drei Punkte. Das Derby haben wir gewonnen und jetzt schauen wir, dass wir nächste Woche die nächsten drei Punkte holen. Wir leisten als ganzes Team eine gute Abwehrleistung und deswegen steht am Ende auch die Null. Diesen Start in die restlichen Spielehaben wir uns nur erträumen können. Aber es sind noch viele Spiele zu bestreiten, in denen wir Punkt für Punkt holen müssen, um unser Ziel zu erreichen – und das ist ganz klar der Aufstieg.“

Thomas Geyer, VfR-Innenverteidiger: „Anfangs haben wir uns schwergetan, wir wussten aber auch, was auf uns zukommt. Letztlich ging der Sieg auch in der Höhe in Ordnung. Wir haben den Derbykampf angenommen und am Ende verdient gewonnen. Eigentlich stehen wir für attraktiven Fußball, aber jetzt feiern wir den Derbysieg. Zwei Spiele, sechs Punkte und ein Torverhältnis von 10:0, da haben wir die Latte recht hoch gehängt. Jetzt haben wir noch zwei wichtige Heimspiele vor der Brust im entscheidenden März, denn danach folgt noch Mannheim. Ich denke aber, dass wir ganz gut gewappnet sind für die kommenden Wochen.“

Calvin Körner, FCN-Innenverteidiger: „Wir wussten natürlich von vornherein, dass da Schwerstarbeit auf uns zukommen wird. Nach der Halbzeit kommst du gepuscht raus und bekommst durch einen blöden Fehler das 0:2. Danach haben wir uns etwas aufgegeben und deswegen sind dann am Ende auch vier Treffer gefallen. Mit ein bisschen Glück fällt die eine Möglichkeit von Rapp rein, dann steht es 1:1 und dann wird der VfR vielleicht etwas nervös. Aber Aalen ist abgezockt und hat einen guten Trainer und weiß, wie man gegen uns agieren muss.“

Beniamino Molinari, VfR-Trainer: „Wir wussten, was uns bei der Normannia erwartet. Gegen die Normannia gut und schön Fußball zu spielen, ist sehr schwierig. Das ist ein Gegner, der total unangenehm zu bespielen ist und der uns im Trainerteam diese Woche wirklich sehr beschäftigt hat. Wir haben uns in der Halbzeit gesagt: Wenn wir hier etwas holen wollen, dann müssen wir in der zweiten Halbzeit einfach noch einmal einen Gang hochschalten. Das haben die Jungs wirklich gut gemacht. Am Ende ist das 4:0 vielleicht etwas zu hoch, in Summe aber war es sicherlich ein verdienter Sieg.“