Nach der Vorbereitung ist vor dem Derby – und ganz schwierigen Wochen

Schwäbisch Gmünd (fcn) – Die Vorbereitung ist fast vorüber für den Fußball-Oberligisten 1. FC Normannia Gmünd. Harte Wochen liegen hinter der Mannschaft von Zlatko Blaskic – noch härtere Wochen aber liegen vor den Normannen. Der Start in die Pflichtspiele hat es in sich: erster Gegner ist der TSV Essingen, Tabellenvierter.

Nein, es war nicht die Hinrunde der Normannen, sehr viele Unwägbarkeiten haben den Gmündern einen Strich durch eine entspannte Runde gemacht. Gründe gab es viele: Rote Karten, Verletzungen, fehlendes Spielglück, aber nicht zuletzt auch häufig schlechte Leistungen. So ehrlich geht man mit sich ins Gericht im Schwerzer. „Da kam vieles zusammen in der Hinrunde, zwischendurch waren wir in einem Loch“, sagt Blaskic. Das Gute: in den letzten Spielen des Jahres bekamen die Normannen noch einmal die Wende und schwammen sich etwas frei: auf Platz 14 hat sich die Blaskic-Elf in den Winter verabschiedet.

Die Vorbereitung verlief in Summe nicht so, wie sich der Trainer das gewünscht hätte. Der Wintereinbruch mit den heftigen Schneefällen vor einigen Wochen führte zu einer Trainingseinheit der besonderen Art. Blaskic trommelte einige Freunde aus dem Verein zusammen, die schließlich den Kunstrasen mehrere Stunden lang freiräumten. Die gesamte Oberliga-Mannschaft machte mit, drei Jugendmannschaften halfen, ebenso Vorstandsmitglied Marco Biegert, Betreuer Ralf Nagel und U-14-Trainer Ali Ayaz. So konnte zumindest in Ansätzen trainiert werden. Doch damit nicht genug: Drei Flutlichter sind im Winter ausgefallen, sodass Blaskic auch hier improvisieren musste. Zweimal ließ er seine Mannschaft an einem Sonntagmittag trainieren, drei Trainingseinheiten verlegte er freitags auf 16 Uhr vor. Mit der Stadt Schwäbisch Gmünd ist die Normannia bereits im Austausch, sodass man davon ausgehen kann, das Lichtproblem möglichst bald in den Griff zu bekommen. 

In den verschiedenen Testspielen hat Blaskic mit der ungewöhnlichen Doppelspitze agieren lassen. Levin Kundruweit unterstützte Routinier Alexander Aschauer, was sich gut anfühlte für die Mannschaft und die beiden Offensivkräfte. „Levin hat das wirklich sehr gut gemacht, ohnehin tut er unserem Spiel einfach gut“, lobt Blaskic Kundruweit, der nach seiner langen Pause immer besser in Schuss kam. Beim jüngsten Test in Schorndorf allerdings verletzte sich Kundruweit am Muskel, ein Faserriss. Blaskic wird also für die Partie gegen den TSV Essingen wieder auf das altbewährte System mit einer Spitze zurückkehren müssen. Ebenfalls immer besser in Tritt kommt Niklas Hofmeister, nachdem dieser mit vielen Vorschusslorbeeren aus Pforzheim nach Gmünd gewechselt ist und doch seine Anlaufschwierigkeiten im Schwerzer hatte. „Er hat ja schon gut gespielt in den letzten Spielen des Jahres, daran knüpft er an. Seine Qualität werden wir aber auch brauchen bei den restlichen Saisonspielen“, freut sich Blaskic, dass der Flügelflitzer mittlerweile das spielt, was man sich von ihm erhofft hatte.

„Es war insgesamt meine siebte Wintervorbereitung bei der Normannia und es war die schwierigste, die ich erlebt habe. Ansonsten war es eine Vorbereitung, wie eine Vorbereitung so verläuft: mit Höhen und Tiefen“, blickt Blaskic auf die vergangenen Wochen zurück. Die Tabelle habe man im Blick, es sei nach wie vor brutal eng, sagt Gmünds Trainer. Großartig abwarten können die Normannen nicht, vor allem nicht, wenn man sich das Auftaktprogramm anschaut: Essingen, Göppinger SV, VfR Aalen und der VfR Mannheim, so heißen die ersten vier Gegner. „Das sind vier Knallerspiele. Schlechter als in der Hinrunde können wir es nicht machen, da haben wir keinen Punkt geholt. Das sollten wir nicht wiederholen“, blickt Blaskic auf das knackige Auftaktprogramm. Drei der vier Gegner sind in den Top-Vier der Liga platziert. 

Gegen den alten Rivalen Essingen starten die Normannen am kommenden Samstag (15 Uhr). Das Hinspiel, was man mit 1:2 verlor, war ein negativer Knackpunkt für die Gmünder, danach lief wochenlang recht wenig zusammen, obwohl man die Partie über weite Strecken dominierte. Bei aller Rivalität mit den Essingern hat Blaskic nur lobende Worte für die Mannschaft von Simon Köpf übrig. „Essingen ist brutal stark. Das erinnert mich an unsere Saison vor zwei Jahren in der Oberliga. Ich muss aber wirklich sagen, dass ich mich darüber freue, dass der TSV solch eine Saison spielt“, sagt der FCN-Trainer. „Wir haben aber im Hinspiel durchaus gezeigt, dass wir mit den Essingern mithalten können. Jetzt muss nur noch das Ergebnis stimmen“, sagt Blaskic.

Mit Miladin Filipovic ist ein Spieler in den Kader zurückgekehrt, der mit einer langwierigen Schambeinverletzung ausgefallen war. „Er ist für uns wie ein Neuzugang, Wir führen ihn langsam wieder heran, dennoch ist er natürlich wieder ein Startelf-Kandidat“, freut sich Blaskic über eine weitere Option. Ebenfalls freut man sich darüber, dass Yannick Ellermann nach seiner schweren Fraktur im Bein wieder auf dem Rasen steht. Letzte Tests unter der Woche sowie ein Gespräch mit dem Trainer sollen darüber entscheiden, ob er bereits gegen Essingen wieder zwischen den Pfosten stehen kann. Seine Rückkehr wird der Mannschaft aber so oder so eine Menge geben, darin sind sich alle einig.

Eine Option weniger im Mittelfeld gibt es derweil durch die Suspendierung von Kelecti Nkem durch Sportdirektor Stephan Fichter. „Wir haben ihm gesagt, dass er sich einen neuen Verein suchen kann, wünschen ihm aber natürlich dennoch alles Gute“, sagt Fichter zu Nkem, der erst im Sommer, nach einem einjährigen Intermezzo in Bietigheim-Bissingen, zur Normannia zurückgekehrt ist.

Trotz aller Widrigkeiten während der Vorbereitung gehen die Normannen optimistisch in die restlichen Spiele, in denen sie den Klassenerhalt schaffen möchten. Es ist das einzige Ziel, das sich der FCN auf die Fahnen geschrieben hat.