Platzverweis wird zum Game-Changer: Kein Sieger in der Wasserschlacht im Schwerzer
Normannia Gmünd und der TSV Essingen trennen sich 1:1 (0:1)
Schwäbisch Gmünd (fcn) – In der Fußball-Oberliga ist wetterbedingt nicht viel Fußball gespielt worden an diesem Wochenende. Sich nicht vor den Wassermassen gescheut haben sich zum Auftakt in das Pflichtspieljahr 2026 der 1. FC Normannia Gmünd und der TSV Essingen, die direkt im Derby die Klingen kreuzten. In einer wahren Wasserschlacht trennten sich die beiden Mannschaften letztlich 1:1 (0:1) auf rutschigem Kunstrasen. Dank des Dauerregens konnten die Normannen an diesem Nachmittag nur knapp 300 Zuschauerinnen und Zuschauer begrüßen.
Was sich zunächst schiedlich und friedlich anhört, führte nach der Partie durchaus zu einigen Diskussionen und zu unterschiedlichen Meinungen der beiden Lager nach einem insgesamt hitzigen Derby, indem der Essinger Jannik Wiedmann in der zweiten Hälfte noch vom Platz gestellt worden ist. In den ersten 20 Minuten spielten nur die Gäste, Essingen war drückend überlegen. Mehrere Eckbälle flogen wild durch den Gmünder Strafraum, einen Freistoß aus etwa 18 Metern setzte Gökalp Kilic in die Mauer. Der TSV sollte sich für diese Überlegenheit belohnen. Über links spielten sich die Gäste durch, Erman Kilic traf aus dem spitzen Winkel wuchtig (10. Minute). Die Essinger blieben dominant, ohne sich in der Folge aber weitere Chancen erarbeiten zu können. „Die Zuschauer haben ein spannendes Derby gesehen. In den ersten 20 Minuten waren wir ganz klar tonangebend. Unser Problem war, dass wir nicht das 2:0 gemacht haben, das müssen wir uns ankreiden lassen“, sagte Essingens Trainer Simon Köpf nach der Partie. „Wir waren zu Beginn viel zu passiv. Das war aber mein Fehler, ich habe diesen Ansatz gewählt und der war schlecht, schlecht von mir“, resümierteBlaskic mit reichlich Selbstkritik.
Den ersten Abschluss der Gastgeber verbuchte Niklas Hofmeister, der im spitzen Winkel aber an Jerome Weisheit scheiterte (20.). Kurz darauf kam es zu einer Szene, die im Nachgang noch heftig diskutiert werden sollte: Erman Kilic zog in den Strafraum, blieb am Bein Miladin Filipovic hängen und fiel. Schiedsrichter Timon Ulrich zeigte Kilic sofort Gelb, entschied auf Schwalbe (22.). „Da muss er nicht fallen, der zieht ihm ja nicht das Standbein weg“, sagte Gmünds Sportdirektor Stephan Fichter, für das Essinger Lager war es ein klarer Strafstoß. Gefährlich wurde es bei den Freistößen von Besnik Koci, der gleich zweimal knapp vor dem Sechzehner antreten durfte (35., 45.), einmal flog der Ball daneben, das zweite Mal knapp drüber. Noch einmal Hofmeister probierte es aus der Distanz, sein Versuch war aber zu zentral und landete in den Armen von Weisheit (38.).
Im zweiten Durchgang dann ließen sich die Normannen nicht überrennen, sondern spielten selbst nach vorne. Filipovics flache Hereingabe klärten die Essinger soeben noch (53.). Auf der anderen Seite scheiterte Niklas Groiß an Yannick Ellermann (58.). Kurz darauf wäre fast der Ausgleich gefallen. Nico Molinari brachte im dritten Anlauf eine Flanke präzise in die Mitte. Hier stieg Alexander Aschauer hoch und köpfte Richtung Tor. Doch auf der Linie klärte Patrick Auracher für seinen bereits geschlagenen Keeper (60.). In der Folge wurde es hitziger, viele Zweikämpfe wurden geführt – einer davon schließlich mit bitteren Konsequenzen für TSV-Kapitän Janik Wiedmann. Gemeinsam mit Filipovic ging er in einen Zweikampf, beide blieben liegen, Wiedmann wurde in der Folge mit Gelb-Rot vom Platz geschickt (67.). Die Essinger Bank tobte, die Gmünder witterten nun ihre Chance. Das Spiel verlagerte sich in die Essinger Hälfte, die Normannen erzwangen den Ausgleich. Hofmeisters Schuss vom Strafraum landete vor den Füßen von Marvin Gnaase, der den Ball aus kurzer Distanz zum 1:1 cool einschob (85.). Jetzt wollten die Gmünder das Spiel komplett drehen. Hofmeister bediente in der Mitte Aschauer, der artistisch per Hacke abschloss, letztlich aber an Weisheit scheiterte (87.).
Doch die Gäste igelten sich nicht etwa ein, um den Punkt in Unterzahl zu retten, sondern spielten ebenfalls weiter nach vorne. Aurachers Schuss wurde von Ellermann pariert, Niklas Groiß verzog nur knapp (90.+2). Es war spannend bis in die fünfte Minute der Nachspielzeit, dann pfiff Ulrich schließlich ab. Viele Zweikämpfe, viele Fouls, viele Diskussionen und am Ende doch ein in Summe gerechtes Ergebnis. Das Schöne: Nach der Partie diskutierten Protagonisten beider Teams, Verantwortliche wie Spieler, trotz unterschiedlicher Meinungen in friedlicher Atmosphäre. Das fasste Stadionsprecher Henning Krischke passend zusammen: „Das macht Derbys doch schließlich aus.“ Am Ende mussten die Gmünder wegen der ersten Hälfte mit dem Punkt zufrieden sein, die Essinger als Tabellenvierter konnten mit diesem einen Zähler natürlich besser leben.
„In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht. Am Ende war es mir zu hektisch. Wir haben es nach dem Ausgleich nicht geschafft, Ruhe reinzubekommen. Wir haben 14 Ecken zugelassen, sieben seitliche Freistöße. Das ist insgesamt zu viel“, resümierte Blaskic, der insgesamt durchaus zufrieden war: „Wir müssen hamstern. Am Ende wird dieser Punkt vielleicht noch einmal wichtig.“
FCN: Ellermann – Avigliano, Körner, Staiger, Filipovic (86. Ramovic) – Grupp, Wilhelm (77. Milojkovic) – Hofmeister, Gnaase, Molinari – Aschauer
Tore: 0:1 Kilic (10.), 1:1 Gnaase (85.)
Stimmen nach dem Spiel: „Das war ein glasklarer Elfmeter
Simon Köpf, TSV-Trainer: „In der zweiten Halbzeit ist die Normannia besser reingekommen und wir haben nicht mehr den Fußball aus der ersten Halbzeit gespielt. (Zur Gelb-Roten Karte von Janik Wiedmann) Ich glaube, dass unser Spieler zuerst gefoult wird. Er fährt dann seinen Arm aus, um sich abzufangen, trifft einen Normannia-Spieler. Die Karte kann man vielleicht geben. Auf der anderen Seite muss Marvin Gnaase, das hat er selbst gesagt, mit Gelb-Rot vom Platz fliegen. Dieser Schiedsrichter hat uns in dieser Saison schon häufiger gepfiffen und es ist jedes Mal dasselbe. (Zur Situation mit Erman Kilic) Im Spiel dachte ich, dass die Gelbe Karte in Ordnung geht, es eine Schwalbe war. Ich habe jetzt aber ein Video dazu gesehen und muss sagen: Das war ein glasklarer Elfmeter. Bei den wichtigen Entscheidungen sind viele gegen uns gepfiffen worden. Aber das will ich jetzt nicht vorschieben. Wir hätten den Sack einfach früher zumachen müssen. So war es jetzt am Ende ein gerechtes Unentschieden.“
Zlatko Blaskic, FCN-Trainer: „Grundsätzlich teile ich die Analyse von Simon, allerdings nicht bei der Elfmetersituation. Wir sollten unseren Spielern nicht lehren, dass sie bei jeder kleinen Berührung hinfallen und Elfmeter fordern. Simon und ich haben auf hohem Niveau Fußball gespielt, er defensiv, ich offensiv. Da hätte man mir damals das Bein abhacken müssen, bevor ich falle, damit es Elfmeter gibt. Wenn Gnaase aber Gelb-Rot hätte bekommen müssen, dann hätte Pfänder Rot bekommen müssen. Er sieht die Sachen so, ich sehe sie so – und das ist völlig in Ordnung und nicht schlimm.“
Niklas Groiß, TSV-Stürmer: „Für uns sind das verschenkte zwei Punkte, ganz klar. Die Gelb-Rote Karte darf man nicht geben. Der Schiedsrichter hat sich da von den vielen Kommentaren der Normannia-Spieler beeinflussen lassen, die seit der ersten Minute an diskutiert haben. Dann passiert das. In Unterzahl hatten wir dann sogar noch die besseren Chancen, noch einmal eine Druckphase, haben heute wirklich alles reingehauen.“
Tim Grupp, FCN-Defensivallrounder: „Am Ende ist es ein gewonnener Punkt für uns. Wir sind richtig schwer reingekommen ins Spiel. In den ersten 20 Minuten hat uns Essingen quasi überrannt. Da waren wir klar unterlegen, das muss man klar sagen. Dann haben wir uns besser reingekämpft. In der zweiten Halbzeit sind wir besser reingekommen und die Gelb-Rote Karte hat uns wiederum in die Karten gespielt. Wenn wir am Ende etwas ruhiger bleiben, dann können wir vielleicht sogar noch das 2:1 machen. Das wäre am Ende aber auch zu viel des Guten gewesen. Es ist ein verdienter Punkt, ein gerechtes Unentschieden auf 90 Minuten gesehen.“
Patrick Auracher, TSV-Defensivakteur: „In der Summe sind es zwei verschenkte Punkte. Bis zur Gelb-Roten Karte hatten wir alles im Griff. Der Platzverweis hat das ganze Spiel auf den Kopf gestellt. Normannia hatte dann viel Ballbesitz, aber auch nicht Chancen am Fließband. Am Ende hatten wir auch noch zwei Chancen, die Normannia auch noch eine große nach dem 1:1. So ist das Unentschieden am Ende vermutlich gerecht, wenngleich etwas ärgerlich, weil mehr für uns drin gewesen wäre. Wir können mit dem Punkt besser leben als die Normannia. Es war sehr hitzig, ein typisches Derby, das aber auch Spaß macht. Da hat draußen bestimmt niemand gefroren. Ich hoffe ganz klar, dass beide Teams am Ende die Klasse halten.“



