Tore-Spektakel zum Jahreswechsel Normannia Gmünd schlägt Bietigheim-Bissingen mit 5:3
Schwäbisch Gmünd (fcn) – In der Fußball-Oberliga ist es im Schwerzer, beim letzten Spiel des Jahres, noch einmal zu einem sehr spannenden Duell gekommen. Normannia Gmünd hat den FSV Bietigheim-Bissingen empfangen, Drittletzter gegen Vorletzter. Am Ende hat es sich für die über 250 Zuschauerinnen und Zuschauer gelohnt, ins Stadion zu kommen, denn sie sahen satte acht Tore: Mit 5:3 (1:2) hat sich die Mannschaft von Zlatko Blaskic letztlich durchsetzen können in einem doch ziemlich ereignisreichen Spiel.
Die Partie begann wie zuletzt für Gmünd, mit einem Gegentor. Bleart Dautaj fasste sich ein Herz und drosch das Leder in den Winkel (8. Minute). Doch die Gmünder wirkten nicht geschockt, spielten ihrerseits nach vorne. Angetrieben von Fabian Kianpour, der gleich drei Gegenspieler stehen ließ und den Ball zu Niklas Hofmeister spielte. Dessen Versuch aus rund 20 Metern wurde leicht abgefälscht und landete im langen Eck zum 1:1 (11.). Das Spiel aber kippte nicht in Richtung der Gastgeber, im Gegenteil. Die Bissinger drängten die Normannen tief in die eigene Hälfte und waren vor allem durch zahlreiche Ecken gefährlich. Nach einer solchen kam Max Stumm an den Ball, nahm diesen geschickt volley, doch Pius Albrecht im Tor war ganz stark auf dem Posten (15.). Nur eine Minute später parierte Albrecht erneut stark einen verdeckten Schuss von Andre Sirianni (16.). Dann aber passierte doch noch das, was sich zu diesem Zeitpunkt angedeutet hatte. Eldin Ramovic schlug ein Luftloch, sein Gegenspieler hatte freie Bahn und passte in die Mitte, in der schließlich der stets auffällige Max Stumm den Ball nur noch über die Linie zu drücken brauchte (18.). Diese Führung war zu diesem Zeitpunkt durchaus verdient, die Gäste machten gehörig Druck auf die Normannen. Drei Minuten später dann aber war Ramovic zur Stelle und verhinderte den Einschlag durch Onesi Kuengienda ganz stark (21.).
Es war in der Folge eine recht offene Partie. Marvin Gnaase verzog knapp nach einer Vorlage von Alexander Aschauer (36.). Niklas Hofmeister verpasste das Gehäuse schließlich aus der Distanz (42.). Dann kam die zweite Halbzeit – und die hatte es wirklich in sich. Blaskic stellte um, brachte Valerio Avigliano und Nils Staiger in die Partie. „Die erste Halbzeit ging ganz klar an Bissingen, das deutlich griffiger gewesen ist. Bei uns ist vieles vor sich hingeplätschert und die Standards des Gegners sind ebenfalls immer gut reingekommen“, sagte Blaskic zur Leistung seines Teams in Durchgang eins.
Doch bevor die Leistung der Normannen besser wurde, mussten diejenigen, die es gut mit den Mannen aus dem Schwerzer meinten, durchatmen. Auf der linken Seite war plötzlich Stumm frei durch, schoss im spitzen Winkel aber knapp über das Tor (51.). Es war eine Schlüsselszene in dieser Partie, denn nur fünf Minuten später bediente Nico Molinari Aschauer, der vergessen wurde und somit leicht einköpfen konnte (55.). Dann hatten auch die Gäste einen Aussetzer in Person von Schlussmann Sven Burkhardt. Er spielte Aschauer den Ball direkt in die Füße. Aschauer blieb cool und nahm dieses Geschenkt artig an und netzte ein zum 3:2 (58.). Und noch einmal fünf Minuten später wurde es wieder gefährlich vor dem Gehäuse der Gäste. Von links drang der Ball in den Strafraum, und die Bissinger bekamen ihn nicht geklärt. Das Leder rollte aus dem Gewühl heraus weiter zu Hofmeister, der den Ball nicht einmal richtig erwischte, dennoch seinen zweiten Treffer markierte – 4:2 (66.). Das ist den Normannen auch noch nicht so häufig gelungen: Innerhalb von elf Minuten haben sie drei Treffer erzielt und das Spiel damit auch ein Stück weit auf den Kopf gestellt.
Zwischendrin erzielten die Bissinger nach einer ihrer ständiggefährlichen Standards das vermeintliche 3:3 (63.), doch der gut leitende Unparteiische Jonathan Woldai entschied auf Stürmerfoul. Nach diesem Dreierpack waren die Gäste erst einmal geschockt, das Offensivspiel aber vergaßen sie nicht – und so erzielte Tom Kleinmann, natürlich nach einem Standard, den 3:4-Anschlusstreffer (87.). Jetzt war noch einmal Nervenkitzel angesagt und einige Zuschauer befürchteten, dass die Gmünder doch noch den Ausgleich kassieren würden. Es hätte zur Hinrunde gepasst, jedoch nicht zur aktuellen Form des FCN. Die Mannen um Calvin Körner verteidigten die folgenden Angriffe mit Leidenschaft weg. So entstand schließlich die letzte Aktion des Spiels. Nachdem selbst Burkhardt in der Hälfte der Gmünder war, kam der Ball zum eingewechselten Georg Wilhelm, der den Ball geistesgegenwärtig nach vorne drosch. Molinari, in der eigenen Hälfte gestartet, lief Richtung freies Tor, ließ danach einen zurückgeeilten Abwehrmann stehen, verlud dann noch Burkhardt, ehe er lässig ins leere Tor schob. Das war der Nico Molinari, wie man ihn im Schwerzer liebt: trickreich, clever und cool. Und es war natürlich die Entscheidung, die einer Erlösung gleichkam. „Für die Normannia ist es am Ende natürlich ein gutes Ergebnis, vor allem nach dieser ersten Halbzeit“, sagte FSV-Trainer Daniel Zmpitas. „Ich habe es auch zur Mannschaft gesagt: Wir können auswärts nicht gewinnen, wenn wir sechs Tore schießen müssen, das funktioniert nicht. Dann hauen wir uns die Dinger auch noch selbst rein. Wenn wir das 3:1 durch Max Stumm machen, kann es natürlich sein, dass das Spiel in eine andere Richtung kippt.“ Dies ist, zum Glück für die Normannia, in dieser Partie nicht mehr passiert.
Sieben Punkte aus den vergangenen drei Partien, darunter gegen zwei Topteams, lassen die Normannen nun mit 20 Punkten überwintern. Es war ein versöhnlicher Abschluss einer doch in großen Teilen verkorksten Hinrunde. Der fröhlichen Weihnachtsfeier im Anschluss stand nichts mehr im Wege, der Anschluss an das Mittelfeld ist hergestellt – und in Schwäbisch Gmünd ist der Glaube an den Klassenerhalt womöglich auch im Umfeld, spätestens nach diesem Erfolg, zurückgekehrt. Intern hat man daran ohnehin noch nie Zweifel gehegt. „Nach dem 2:2 ist das Spiel in unsere Richtung gekippt. Fünf Tore sind uns in dieser Saison zuvor auch erst einmal geglückt. Wir haben aber auch zum ersten Mal in der Saison drei Treffer kassiert, das ist nicht so berauschend. Allerdings haben wir gegen einen richtig gut eingestellten Gegner gespielt. Ich bin zufrieden mit dem Sieg, wir dürfen ihn aber nicht überbewerten“, sagte Blaskic.
Da der FCN-Trainer mal in Bietigheim-Bissingen aktiv war, sendete er noch Wünsche an sein Trainerpendant aus: Er wünsche dem FSV einen Sieg gegen Essingen in der kommenden Woche, damit auch der FSV noch den Anschluss an das Mittelfeld herstellen könne.
FCN: Albrecht – Rapp (46. Avigliano), Körner, Rössler, Ramovic (46. Staiger) – Kianpour, Grupp – Hofmeister (80.Wilhelm), Gnaase (86. Kundruweit), Molinari – Aschauer.
Tore: 0:1 Dautaj (8.), 1:1, 4:2 beide Hofmeister (11., 66.), 1:2 Stumm (18.), 2:2, 3:2 beide Aschauer (55., 58.), 4:3 Kleinmann (87.), 5:3 Molinari (90.+5)
Stimmen zum Spiel: „Jetzt lassen wir es auf der Weihnachtsfeier richtig krachen!“
Nico Molinari, FCN-Mittelfeldakteur: „Das Siel startet katastrophal für uns, nachdem wir in der achten Minute bereits das 0:1 bekommen haben. In der Halbzeit haben wir uns gesagt, dass wir noch einmal alles raushauen werden. Es sind die letzten 45 Minuten in diesem Jahr. Dann hat wohl jeder gesehen, mit was für einer Energie wir in der zweiten Halbzeit aufgetreten sind und wie konsequent wir vor dem Tor waren. Das war wichtig für uns. Dass wir jetzt mit 20 Punkten überwintern, nicht mehr ganz unten drin sind, das tut uns gut, weil die Pause doch recht lang ist. Wir wissen, was wir können, das hat heute wieder jeder gesehen. Wir sind in Ravensburg zurückgekommen, in Nöttingen zurückgekommen und jetzt genießen wir die Pause und greifen im kommenden Jahr richtig an. Aufgrund der zweiten Halbzeit war es ein verdienter Sieg und jetzt lassen wir es auf der Weihnachtsfeier richtig krachen!“
Georg Wilhelm, FCN-Mittelfeldakteur: „Wir haben leider wieder den Anfang verpennt und lagen zurück. Nach der Halbzeit sind wir aber sehr stark zurückgekommen und haben dann am Ende durchaus verdient gewonnen. Ich bin als Sechser in die Mannschaft gekommen, da fühle ich mich am wohlsten. Ich liebe es, zwischen Abwehr und Offensive zu pendeln. Aber natürlich spiele ich auch in der Abwehr, wenn der Coach mich dort benötigt. Jetzt sind wir etwas aus dem Keller gekommen, das bringt natürlich noch einmal etwas Schwung für die Vorbereitung. In der Rückrunde möchten wir mehr Punkte als in der Hinrunde sammeln, um dann hoffentlich frühzeitig den Klassenerhalt zu schaffen.“




