(läm) Normannia Gmünd ist nach der Verbandsliga-Meisterschaft 2018, nach dem Relegationserfolg gegen den SC Lahr erneut in die Oberliga Baden-Württemberg aufgestiegen und eines vorab: diesmal möchte man länger als nur ein Jahr bleiben. „Beim Schlusspfiff dann habe ich es gespürt, dass wir es geschafft haben. Da wurde mir erst einmal bewusst, was wir alle in diesem Jahr geleistet haben und dass alle immer an den Erfolg geglaubt haben. Ich bin richtig stolz auf dieses Team“, sprudelte es nach dem Abpfiff aus Fußball-Bereichsleiter Marco Biegert nur so heraus. Und auch Trainer Zlatko Blaskic war natürlich stolz auf sein Team, wenngleich man es verpasst hatte, selbst den einen oder anderen Treffer zu erzielen: „Was die Jugs heute bei 35 Grad rausgehauen haben, das war schon nicht mehr normal. Wir haben in der ersten Halbzeit eine Chance zugelassen, hätten aber schon 3:0 führen müssen. Aber das spielt jetzt alles keine Rolle. Wir sind, so denke ich, verdient in die höchste Amateurliga Baden-Württembergs aufgestiegen.“

Das 3:0 aus dem Hinspiel war komfortabel, aber genauso trügerisch. Stephan Fichter, Sportlicher Leiter der Gmünder, mahnte im Vorfeld, dass ein schnelles Lahrer Tor eine ganz eigene Dynamik in solch einem Spiel entfachen könnte. Und so kam der SCL wie erwartet aus den Startlöchern, schmiss gefühlt alles nach vorne. Wie heiß der südbadische Verbandsliga-Vizemeister war, das zeigte gleich mal ein rustikales Foul an Tobias Rössler in der dritten Minute. Lahr drückte, Lahr presste, doch die finalen Bälle kamen nicht an. Dadurch entstanden Räume für die Stauferstädter und die hatten Chancen am Fließband. Nach einem Foul an Alexander Aschauer gab es Freistoß. Der 31-Jährige legte sich den Ball selbst zurecht und bugsierte das Leder vors Lattenkreuz (14. Minute). Kurz darauf dann scheiterte Tim Grupp mit einem Schuss aus etwa 18 Metern (17.). Obwohl Lahr den Treffer brauchte, waren es die Gmünder, die die besseren Chancen hatten. Rössler köpfte nach einer Ecke knapp drüber (24.). Dann plötzlich konterten die Hausherren, im Eins gegen Eins aber zeigte erneut Gmünds Schlussmann Yannick Ellermann sein Können, klärte spektakulär per Fußabwehr (25.).

Nach der ersten Trinkpause dann flaute das Spiel etwas ab auf dem weitläufigen Platz, es war unheimlich warm. Aber auch in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit waren es die Gmünder, die die besseren Chancen hatten. Nach einem langen Ball dann waren aber noch einmal die Lahrer durch, doch der Abschluss war zu schwach und kein Problem für Ellermann (32.). Marvin Gnaase mit einem Distanzversuch (35.), Aschsauer per Kopf nach starker Vorarbeit von Kelecti Nkem (37.) scheiterten, Aschauer nur sehr knapp (39.). Kurz vor der Pause dann hätte Luca Molinari fast die Führung erzielt. Nach starkem Zuspiel von Gnaase scheiterte er allerdings am ebenfalls starken Jona Leptig im SCL-Tor (42.). „Wir hatten das Spiel im Griff, fast noch mehr als im Hinspiel, wir hätten nur einige Tore erzielen müssen. Das lässt sich aber in Summe an so einem Tag natürlich leicht verschmerzen“, sprach Fichter der Mannschaft ein großes Kompliment aus.

Auch in der zweiten Halbzeit hatte Gmünd die erste Gelegenheit. Nach einer Flanke traf der aufgerückte Rössler den Ball jedoch nicht richtig, Leptig hielt sicher (48.). Zunächst hatten die Normannen kaum Probleme, dieses Resultat zu halten, vielleicht tat auch die Hitze ihr übriges, dass die Lahrer nicht so druckvoll nach vorne spielten, wie sie es sicher vorgehabt hatten – und es lag an der konzentrierten Defensivleistung der Normannen. Stattdessen verpasste es Aschauer gleich zweimal, die Entscheidung früher herbeizuführen (50.,60.). Die dickste Chance war sein Kopfball, der am Ende noch vor der Linie geklärt wurde (68). Vorne sollte einfach an diesem Tag kein Treffer fallen, aber es fiel nicht ins Gewicht, wie Fichter bereits konstatierte.

Die größte Chance für die Gastgeber dann hatte der Gmünder Valerio Avigliano, als er nach einer Flanke vor dem Gegner an den Ball kam, aber (glücklicherweise) auch an Ellermann scheiterte (71.). Diese Chance hatte Biegert gar nicht mitbekommen, denn er war es, der die Aufstiegstrikots aus dem Bus holen musste. Der Spielverlauf gab es her, dass man bereits 20 Minuten vor dem Ende von dem Erreichen der Oberliga ausgehen konnte. In den Schlussminuten dann fasste sich Lahrs Tim Gerasch noch einmal ein Herz und zog aus knapp 25 Metern ab, den Ball aber parierte Ellermann stark (82.).

Es war schon die letzte Gelegenheit in dieser Partie. Der Rest war großer Jubel in Rot. Die rund 100 mitgereisten Normannen jubelten am Mittelkreis mit der Mannschaft, roter Rauch umrahmte die Szenerie. „Wir haben eine lange Busfahrt vor uns, da wird es der eine oder andere schwer haben, am Montag den Flieger zu erwischen“, scherzte Gmünds Schlussmann und Kapitän Yannick Ellermann. Der Flieger Richtung Mallorca startet zu Wochenbeginn, die Sause haben sich die Normannen verdient, daran gibt es wohl keine Zweifel.
FCN: Ellermann – Avigliano, Rössler, Körner, Rakic – Kianpour, Grupp (86. Stölzel) – Nkem (78. Kubitzsch), Gnaase (86. Dogukan), L. Molinari (90. N. Molinari) – Aschauer.
Tore: Fehlanzeige

Stimmen zum Spiel: „Der Generalschlüssel war der Zusammenhalt“

Yannick Ellermann, Schlussmann und Kapitän des FCN:
„Sicherlich waren die vielen Zu-Null-Spiele ein Schlüssel zum Erfolg. Der Generalschlüssel aber war unser Zusammenhalt, das war am Ende das Ausschlaggebende für diesen Aufstieg. Bereits im Winter haben wir das erste Mal gespürt, dass in diesem Jahr einiges möglich sein kann für uns.“

Calvin Körner, FCN-Innenverteidiger:
„Es ist unbeschreiblich. Wir haben so viel investiert und so hart gearbeitet, einfach nur großartig. Zlatkos Ansprachen haben immer auf den Punkt gepasst, auch Aschi (Alexander Aschauer, d. Red.) hat es bereits in der vergangenen Woche auf den Punkt gebracht: Wenn wir defensiv stabil stehen, haben wir immer die Möglichkeit, vorne ein Tor zu erzielen, sind da immer gefährlich. Es ist der Wahnsinn und war insgesamt eine starke Teamleistung. Ich denke, dass wir es mehr als verdient haben, in die Oberliga aufzusteigen.“

Stephan Fichter, Sportlicher Leiter des FCN:
„Es ist schon irre: Wir haben in den vergangenen zwölf Spielen in elf keinen Gegentreffer kassiert. Heute hatten wir bestimmt wieder acht große Chancen, da ist es fast schon genauso irre, dass wir keinen Treffer erzielen konnten. Ich hatte in diesem Rückspiel tatsächlich nie Sorge, dass wir es in Summe nicht schaffen könnten, das war nochmal eine richtig starke Vorstellung der Mannschaft.“ Zlatko

Blaskic, FCN-Trainer:
„Ich verspüre eine große Erleichterung. Wir waren so lange schon sicher Vizemeister, mussten dennoch die Spannung hochhalten, da fällt nun schon eine Last von den Schultern, das spüren wir. Die Art und Weise, wie die Mannschaft in den letzten Monaten aufgetreten, elfmal ohne Gegentreffer geblieben ist, das ist einfach nur herausragend und deswegen denke ich auch, dass wir absolut verdient aufgestiegen sind. Die Jungs verabschieden sich nun nach Mallorca, werden feiern. Für mich geht es am Dienstag in den Familienurlaub. Ich weiß nur noch nicht, wo ich von Sonntag auf Montag übernachten werde, aber da wird mir sicher jemand Asyl gewähren.“ (lacht)